"Brave Geistliche sehen in solch heillosen Zuständen eine Hauptquelle der unermeßlichen Summe von Jammer und Elend, welches auf der Christenheit lastet, doch nicht einmal im Beichtstuhle, geschweige auf der Kanzel dürfen sie sich mehr als allgemeines Gerede über das sechste Gebot erlauben, wenn sie nicht von der empfindsamen, anständigen und doch so grundliederlichen und verderbten Welt arg verkannt, verlästert und vom zahllosen Heer der Religionsspötter, Staatsverbesserer und Unzüchtigen gesteiniget werden sollen."

"Und die Gesetze? Guter Gott, die Gesetze müssen da aufhören, wo allgemeine Liebhabereien des Volkes anfangen; gerade die Gesetze sollen in den meisten Ländern das sprechendste Zeugniß ablegen, wie weit es unser Anstand und unsere Bildung mit der wahren Schaam und ächten Sittlichkeit hinsichtlich des sechsten Gebotes brachten und was die Frucht einer allzu zartsinnigen Erziehung sei."

"Die Gesetze geben mir kein Recht, Dich Fesenbauer am Schopfe zu nehmen, ganz im Gegentheil schützen sie Dich ehrlosen, meineidigen Mörder und Rabenvater vor jeder unsanften Berührung, aber ich nehme Dich doch am Schopfe, mein Recht dazu ist von der Natur und Vernunft und damit von Gott gewährleistet und wenn ich Dir eventuell den Hirnkasten einhämmerte, die Gesetze mich dafür verdammen, so hast nur Du vor Gottes Richterstuhl die alleinige Verantwortung!"—

"Nimm Dich in Acht vor mir, Du hast mich zum Waisen gemacht, zum armen, verachteten, mißhandelten und verfolgten Bankert und bei Dir steht es, meiner Armuth ein Ende zu machen oder mich dahin zu bringen, daß ich die bisher unverdiente Verachtung endlich einmal verdiene, die Mißhandlungen, welche die Mitmenschen meiner Mutter und mir reichlich angedeihen ließen, am Urheber räche, nach weiterer Verfolgung den Teufel frage und Dich in alle Ewigkeit in die tiefste Hölle hinabfluche und noch dort erwürge."

"Kein Mensch gibt sich selbst das Leben und kann dafür, wenn er in einem Schweinestalle anstatt in einem Schlosse geboren wird, ein jeder Bettelbube würde gewiß bald und gerne zu einem "gnädigen Herrlein" sich ummodeln, wenn es nur anginge; ferner ist das Weib schwächer als der Mann, ein unerfahrenes Mädchen mit Schwüren und besonders mit schriftlichen Versprechungen nicht sonderlich schwer zu übertölpeln.—Das Kind ist ganz, die Mutter in den meisten Fällen sicher mehr als halb unschuldig, doch Mutter und Kind tragen in unsern Landen voll einsichtsreicher, gerechter Menschen und christlicher Nächstenliebe alle Schuld und alle Folgen der Sünde, der Hauptschuldige und Hauptsünder dagegen wird kaum in Heimgärten oder in den Prachtzimmern ausgeputzter Kaffeeschwestern ein bischen durchgehechelt, fragt gemeiniglich wenig darnach und hat leichte Sorge, seine Ehre vor Schiffbruch zu bewahren."

"Meine Mutter ist an den Folgen deiner Sünde gestorben und ich habe diese Folgen vor der Welt nunmehr 21 Jahre herumgeschleppt, Du hast nichts darnach gefragt, bist nach wie vor der reiche, angesehene Fesenbauer geblieben, hast ein reiches Weib und eheliche Kinder bekommen, aber jetzt schreibt Dein Ismael an Dich und wenn es umsonst ist, dann soll die todte Hagar gerächt werden von ihrem Ismael und Du wirst mindestens einmal heulen wie die Thiere der Wüste, wenn Du nichts Besseres von denselben lernen willst!"—

"Wäre ich ein Spitzbube, Räuber, Mordbrenner und Mörder geworden, wer trüge wohl viele oder die meiste Schuld daran? Nennt Dir das weite Gewissen keinen Namen? Hätte ich das schlechte Leben Deiner Jugend auch bereits angefangen und mein Elend durch neue Waisen vervielfacht, wer hätte die erste Verantwortung dafür? Würde ich mit allen meinen Nachkommen dereinst ewig verdammt werden, wer hätte der Hölle diese Rekruten angeworben?"

"Ich brauche Dir den Namen einstweilen nicht mit einem Dreschflegel hinter die Ohren zu schreiben; wenn Du auf Dich selbst hinweisest und sagst: das ist der Schuft!—dann hast Du den Rechten errathen!—Gelt, der junge Fesenmichel hat beim Bärenwirth im Walde drunten keine derartigen Gedanken bekommen? Ich vermuthe, der alte Fesenbauer bekomme vom vielen Denken noch immer keine Kopfwehe, deßhalb hat der Ismael diese Schrift machen lassen und mit Freuden unterzeichnet."

"Beiliegende Zeugnisse und Schriften enthalten die Beweise, daß ich Brigittens Sohn und der Deinige sei vor Gott und daß ich ferner groß geworden, ohne eine besondere Schlechtigkeit zu begehen."

"Von meinen Unglücksnächten und Trauerjahren will ich Dir so wenig erzählen als von den zahllosen Flüchen, welche ich Waise auf Dich herabfluchte. Ich bin so gut Dein Kind, wie Deine ehelichen es sind, vor Gott dem Allmächtigen habe ich von Dir Alles zu fordern, was ein ehelicher Sohn vom Vater zu fordern hat und wenn Gerechtigkeit auf Erden zu finden wäre, würden die Gesetze einen Menschen Deiner Art ins Zuchthaus zu den Leibesmördern und Seelenmördern senden oder jedenfalls weniger, auch gar keinen Unterschied zwischen den Rechten ehelicher und unehelicher Kinder machen!"—