"Es gehört dem Staat!" brummt der Exfourier, ein langer Mensch, dessen Fuchskopf von einer ungeheuern Adlernase beschattet wird und spedirt im Vorübergehen ein hölzernes Arbeitsgeräthe in den Ofen, der sich freudig aufflackernd für diesen Morgenbissen bedankt.
"Es gehört dem Staat!" wiederholt der Zuckerhannes und fügt bei "der Teufel soll den Staat holen!"—Der Staat ist ihm ein ungreifbares Etwas, ein reicher, vornehmer, mächtiger Feind, der ihn beherrscht und quält und dafür auf jede Weise beschädigt werden muß.
Manche Sträflinge gehen hin und her, wandeln ein und aus und mehr als Einer kehrt freudiger zurück, als er fortgegangen. Die holde Dämmerung ist der Mantel, unter welchem der Hausordnung die besten und sichersten Schnippchen geschlagen werden, der Abtritt die Börse und das Rathhaus der Zuchthauswelt. Hast Du Schick? fragt ein Straßenräuber den Ofenheitzer. Dieser zieht ein Päcklein dieser Sträflingsambrosia hervor, der Räuber schneidet eine Viertelelle ab, klirrt freudig mit seinen Ketten und ist in diesem Augenblicke ein Glücklicher.
Wie wenig gehört dazu, ein Kind oder einen Gefangenen glücklicher oder unglücklicher zu machen!—
"An Eure Arbeit!" donnert der Aufseher den Beiden zu; der Zuckerhannes springt an seine Fügbank, der Straßenräuber aber schreitet trotzig nach der Thüre.
"Wohin?"
"Hinaus!"
"Schon wieder?—Verfluchtes Geläufe!"
"Schon wieder!" schnauzt der Kettenträger und murmelt vor sich hin einen schweren Fluch über alle Leuteschinder.
Er trifft einige Andere; der Exfourier erzählt eben, wie bis zur Stunde ein ehemaliger Aufseher in der Stadt herumstolpere, welcher eine Perüke und darunter einen silbernen Hirnschädel trage, weil ihm der beinerne von einem Sträfling eingeschlagen worden sei. Die Zuhörer bewundern die That dieses Sträflings und der entzückte Kettenmann schwört, nach der Entlassung dem Hungerleider da drunten mindestens die Augen ausdrücken oder die Beine abschlagen zu wollen.