Allmählig bricht der Tag heran, die Stunde der Morgensuppe ist nahe, man merkt am Arbeiten, sie habe im Magen der Sträflinge bereits geschlagen; endlich ertönt die helle, schrille Stimme des Hausglöckleins, in einem Nu werden sämmtliche Werkzeuge bei Seiten gelegt, der Straßenräuber brüllt mit einer Stimme, welche dem heidnischen Kriegsgotte keine Schande gebracht hätte:
"Suppe!"—Alle rüsten sich zum Abgehen.
"Ab!"
Die Gefangenen drängen sich nach der Thüre durch die Gänge und marschiren im Gänsemarsch dem Hauptgebäude zu, still, geordnet, rasch, das einsame Klirren der Fußkette eines Räubers gibt zuweilen den Takt an, mit befriedigten Blicken lassen die Aufseher die langen Reihen vorbeidefiliren.
Dort aus jener Thüre tritt ein alter Kerl, wendet das von allen möglichen Leidenschaften und Schicksalen durchwühlte Gesicht gegen den Zuckerhannes, zwinkert pfiffig mit dem einen Auge und zieht das Maul in eine möglichst angenehme Krümmung.
Das rothe Band unter dem linken Kniee zeigt an, daß er zur alten Garde des Zuchthauses gehöre, es ist der einäugige Stoffel, der Besenbinder und Erzspitzbube, welchen wir im Amtsgefängnisse kennen lernten und welcher das gewohnte Winterquartier wiederum bezogen hat.
Beim Eingange zum Hauptgebäude trifft er mit dem Zuckerhannes zusammen.
"Der alte Paul läßt Dich grüßen, Hannes!"
"So? Was treibt er? wo ist der graue Halunke?"
"Halunke? Ein braverer Bursche hat noch nicht auf Erden gewandelt, als er, aber das Unglück verfolgt ihn. Hab Dir's ja längst auseinandergesetzt, daß ihm der Spaniol keinen Kreuzer von deinem Gelde gegeben und daß er deßhalb Händel mit ihm bekommen hat. Der alte Paul wird auch bald wieder kommen, das Unglück verfolgt ihn bis zum Jahr 1852 und ist nur gut, daß das Zuchthaus nicht das größte Unglück ist, was Einem begegnen kann!"