Wiederum ruft das Glöcklein zur Arbeit, der Abmarsch beginnt, die Speisesäle leeren sich rasch und nach wenigen Minuten steht jeder wieder bei seiner Arbeit.

Der Zuckerhannes hobelt rüstig darauf los, er ist im Zuchthause kein heuriges Häslein mehr und weiß seine Zeit so einzutheilen, daß er stets bequem mit seinem Tagwerke fertig wird, ohne sich sonderlich zu beeilen oder anzustrengen, bis jetzt hat er an der Morgenportion noch wenig verfertiget.

Eine der schwierigsten Aufgaben der Gefängnißbeamten, Erhaltung eines lohnenden Gewerbsbetriebes, Vertheilung der Arbeitskräfte und Heranbildung von Arbeitern ist in dieser Anstalt so gut gelöst, als die zahlreichen Schwierigkeiten von Außen und Innen, Oben und Unten es erlauben.

Der Zuckerhannes hätte ein Handwerk erlernen können, aber er mochte nicht und unterzog sich der schweren Arbeit des Daubenfügens, welche wenig Geschicklichkeit, doch Armschmalz genug erfordert; er wäre im Stande ein doppeltes Tagwerk zu liefern und seinen Lohn zu erhöhen, aber er that dies nur im Anfange und arbeitet seit langer Zeit gerade was er muß, denn erstens hat der Staat nicht den Fesenmichel, sondern ihn bestraft und keine Macht der Welt wäre im Stande, ihn von der Gerechtigkeit seiner Strafe zu überzeugen, folglich will er einem so ungerechten Staate auch so wenig als möglich nützen. Zweitens erhalten die Gefangenen ohne doppeltes Tagwerk Schnupftaback, diesen mächtigen Beweger eines Sträflingsgemüthes und Butter tauscht unser Held für manche Fleischportion ein.

Er thut somit gemächlich, schaut von Zeit zu Zeit nach dem Ofen und plaudert bisweilen mit seinem Nachbarn und frühern Todfeinde, dem Bläsi, welcher als Oberknecht des Moosbauern ihm so vieles Herzeleid bereitete.

Bläsi ist wegen unvorsätzlicher Tödtung bei Raufhändeln auf einem Tanzboden zu einer vieljährigen Zuchthausstrafe verurtheilt, die Strafe hat seinen Hochmuth furchtbar erschüttert, doch nicht gebrochen, sondern gegen Gott und Welt, Gesetze und Menschen gekehrt.

Er hält seine Strafe lediglich für ein unverdientes Unglück, bleibt zu stolz, sich zu Gott zu erheben oder zu den Spitzbuben herabzusteigen, die Meinung der Menschen galt ihm stets als höchstes Gesetz, jetzt ist er in dieser Meinung tief gesunken und hierin liegt das Wehe, welches sein Innerstes beständig durchwühlt.

Der Zuckerhannes hat die Lehre des Spaniolen, Verbrecher seien Helden der Menschheit und Martyrer der großen Zukunft, niemals vergessen, das Leben unter Sträflingen und das tägliche Anhören ihrer Geschichten hat ihn gegen Verbrechen abgestumpft und für die Leidensgenossen eingenommen.

Gutmüthig ist er dem Bläsi entgegengekommen, hat alle Unbilden vergessen, ist unfähig, den Einfluß zu berechnen, welchen dieser Mensch auf sein Schicksal ausübte und hat demselben den Vorfall mit dem Hasenmaul während des Morgenessens erzählt.

Bläsi befindet sich kaum ein Vierteljahr in der Anstalt, gibt mit Herz und Mund dem Hasenmaul Recht, insofern dieser seine Ehre wahren wollte, aber das Anzeigen desselben findet er nicht schön.