Der Vorfall mit dem Hasenmaul ist nicht minder richtig rapportirt, aber er zieht diesmal wider Erwarten nur einen kleinen Verweis nach sich, dann erfährt der Zuckerhannes Etwas, was ihn im ersten Augenblicke entzückt, im zweiten zu Boden schlägt.

Drüben im Schwarzwalde ist die alte Bibiane, Brigittens, seiner Mutter Base vor einiger Zeit gestorben und hat ihm unerwartet mehrere hundert Gulden vermacht.

"Der Gang zum Fesenmichel war voreilig!" denkt der vor Freude zitternde Erbe. Aber die Kosten der Untersuchung sind bedeutend, das Zuchthaus beherbergt Vermögliche nur gegen Vergütung von jährlich 80 fl., der Zuckerhannes ist zu einer hübschen Reihe von Jahren verurtheilt, hat bisher nichts bezahlen können und jetzt werden ihm so viele Abzüge gemacht, daß ihm etwa so viel von der Erbschaft bleibt als er vorher besessen, nämlich Nichts!

"Die Base hats gut gemeint und dumm angefangen, für mich gibts kein Glück auf der Welt!" stammelt der Arme und weiß vor betäubendem Schrecken kaum, was er spricht.

Ohne zu wissen wie kehrt er in den Arbeitssaal und zu seiner Hobelbank zurück, die Kameraden wundern sich über sein zerstörtes Aussehen, der Duckmäuser sucht einen Vorwand an den Haaren herbeizuziehen, um seinen Platz verlassen zu können, doch findet er keine Zeit mehr dazu.

Vergeblich redet der Bläsi mit seinem Nebenmanne, dieser gibt keine Antwort, fährt gedankenlos mit dem Hobel hin und her und zuweilen fällt eine große Thräne auf den Fügebock.

"Wenn mich nur der Teufel nähme, gleich auf der Stelle und die ganze Welt dazu!" seufzt er endlich aus tiefstem Herzensgrunde und schleudert den Hobel ingrimmig zu Boden.

"Bst, bst!" warnt der Aufseher.

"Wir bekommen Visite!" murmelt der Bläsi, bückt sich und gibt dem Zuckerhannes den weggeworfenen Hobel wieder in die Hand.

Sobald die Nähe eines Beamten angekündigt wird oder ein solcher in den Arbeitssaal tritt, verdoppeln die Sträflinge im Nu ihren Arbeitseifer und räumen dem Schweigsysteme die Oberherrschaft ein.