Angesichts der fleischgewordenen Hausordnung schrumpft jede Sträflingsseele für einige Minuten zu ausschließlicher Arbeitskraft zusammen, aber sollte dies länger dauern als der Besuch währt?
Der Werkmeister übersieht stets nur einen Theil des Saales, Weber und Spuler können nicht auf Einem Flecke sitzen bleiben, jeder gebrochene Faden und jeder Ruf nach frischen Spulen setzt sie in Bewegung, der Werkmeister ist auch ein Mensch und muß ein freundlicher, ordentlicher Mann sein, wenn gut und viel gearbeitet werden soll, denn dieses läßt sich durch keine Gewalt erzwingen.
Die Erfahrung lehrt, daß Strenge weit größere Unordnungen hervorruft, als Nachsicht und Güte, und Sträflinge sind im Allgemeinen fügsame, fleißige Leute, wenn man dieselben nur zu behandeln versteht.
Trotzige, gefährliche Bursche gibts in jedem Saale; diese werden am besten in Schach gehalten, wenn der Werkmeister die klügere Mehrzahl für sich gewinnt. Unter 20 bis 40 Sträflingen den ganzen Tag leben und den unerbittlichen Spielen wollen, hat seine vielfachen Bedenken und es ist bald befohlen, aber nicht bald ausgeführt.
Bei Metallarbeitern und in der Hanfreibe übertönt der Lärm jedes laute Gerede und auf der Seilerei würde ein Arbeiter, der mit seinem Radbuben durch Grimaßen sich verständigte, eine seltsame Figur spielen. Die Bahn ist lang, der Meister muß dem Geschäfte nachgehen und steht er vorn, dann plaudern oder flüstern die Radbuben, steht er hinten, dann plaudern die Seiler und ein verständiger Beamter darf wohl zufrieden sein, wenn nur keine unnützen, verderblichen Gespräche geduldet werden.
Und bei den Holzhackern!
Ein Paar, welches Eine schwere Säge handhabt, deren Krächzen im Bunde mit dem Schlag der Äxte ein leises Reden selbst für den nahestehenden Aufseher unhörbar macht, sollte schweigen vom Tagesanbruch bis zur sinkenden Nacht? Der leiblichen Anstrengung und der aufgezwungenen Hausordnung willen noch moralischen Zwang beifügen? Und wozu? Fleißiges Arbeiten beseitigt viel nutzloses Gerede von selbst und Nothwendiges muß geredet werden.
Lauter donnern die schweren Küferhämmer gegen die hohlen Fässer, vielstimmiger ächzen die Hobel, munterer schwirrt die Drehbank, eifriger zischt der Schleifstein, rascher eilen die Sträflinge mit ihren Aufträgen hin und her und wenn Einer einen nöthigen Gang verschieben kann, verschiebt er denselben gewiß, bis der Beamte den Rücken kehrt.
Jetzt steht dieser beim Zuckerhannes und sucht den niedergeschlagenen Burschen zu trösten, indem er versichert, Alles für baldige Begnadigung desselben thun zu wollen, so daß ihm im günstigen Falle immer noch Erklekliches von der Erbschaft übrig bliebe.
Der Angeredete seufzt tief auf und weint: