In jedem Speisesaal verworrenes Summen und allgemeines Gemurmel, Klirren der Löffel, Messer und Schüsseln, jeder Aufseher ist gerade mit dem Austheilen vortrefflichen Brodes fertig geworden, bis das Wort: "Suppe!"— allgemeines Aufstehen und allgemeine Stille hervorzaubert.

Im bekannten Saale betet diesen Mittag der Zuckerhannes nicht, die Lust zum Beten und Essen ist ihm vergangen, der Duckmäuser spricht an seiner Stelle recht deutlich, kräftig und andächtig das Gebet des Herrn, dann fliegen die Aufwärter mit den Suppenschüsseln herbei, der Speisezettel lautet heute vortrefflich, deßhalb herrscht eine ziemlich gleichmüthige und oft heitere Stimmung unter den Gefangenen.

"Reissuppe—Kartoffelschnitze—Rindfleisch!"

Morgen wirds lauten:

"Wassersuppe—saure Bohnen—Ende!" und mehr als ein alter oder junger Gefangener wird sich mit der Wassersuppe und trockenem Brode begnügen, dagegen werden die Vielfraße wiederum einen Freudentag haben. Alte Häuser wissen von Manchem zu erzählen, der sich im Zuchthause zu Tode gegessen, Mancher hat dem Affengesichte schon einen ähnlichen Tod prophezeit, aber dieser läßt sich dadurch nicht rühren, bettelt und erhandelt die Schüsseln Anderer zu seiner Portion, manche schieben ihm um des Spasses willen ihre Ueberreste zu, er ißt Alles, was er bekommt und hat der Heißhunger den Straußenmagen verlassen, dann setzt die Eitelkeit und Ruhmsucht das Ihrige oben drauf.

Doch bereits beginnt die Rache der Natur, das Affengesicht muß heute fasten, denn der Magen mag nicht mehr gut verdauen und an seiner Stelle entfalten der Mordbrenner und der Kilian ihre Meisterschaft im Ueberessen.

Ersterer meint, es sei ihm Eins, wenn er auch zu Grunde gehe und der Tod eines Vielessers jedenfalls dem Hungertode weit vorzuziehen, letzterer versichert, er habe in seinem ganzen Leben noch niemals genug gegessen und wenn er auch keinen Bissen mehr hinabbringe, sei er doch noch immer hungrig.

In allen Sälen wird der Heldenmuth, womit der Exfourier dem Pfarrer antwortete und der Witz, welchen der Kilian zum Besten gegeben, zum Anknüpfungspunkte, die Religion zum Angelpunkte der Unterhaltung.

Der Obermeister holt den Kilian vom Essen hinweg in das wohlverdiente "schwarze Loch" ab, dafür wird das religiöse Gespräch im Saale desselben und besonders auch am Tische des Zuckerhannes um so lebhafter.

Wir werden uns hüten, dem Papiere anzuvertrauen, was wir mit eigenen Ohren über die tiefsten Geheimnisse unserer Religion, die h. Sakramente der Buße und des Altars, über den Erlöser und dessen jungfräuliche Mutter, über alle Heiligen und Diener der Kirche aus dem Munde des Exfouriers und anderer Halbgebildeten oft genug anhören mußten und möchten nur dreierlei jedem Freunde Gottes, der Regierungen und des Volks ans Herz legen, nämlich: