Das gegenwärtig lebende Geschlecht hat von seinen Vätern durchgängig eine sehr elende religiöse Erziehung ererbt, die der positiven Religion gleichgültig, gehässig oder auch todesfeindlich gegenüber stehende Literatur erfreut sich bis zur Stunde der entschiedensten Oberherrschaft, das Alltagsleben predigt in Einem fort durch zahlreiche Thatsachen überwiegend den Unglauben, weil diese Thatsachen den Lehren und Vorschriften des Christenthums mehr oder minder herb widersprechen, endlich liegt der Unglaube offenbar im Interesse der Selbstsucht jedes Einzelnen und wenn gründlich gelehrte Männer oft wie Kinder reden, sobald von der katholischen Kirche die Sprache ist, so darf man sich nicht wundern, daß die Zahl der Halbgebildeten und Halbgelehrten, welche dem Katholizismus fremd, lau, mißtrauisch und feindselig gegenüber stehen erstaunlich groß und fortwährend im Zunehmen begriffen bleibt.
Diese Halbgelehrten und Halbgebildeten leben fortwährend in und mit dem Volke, sind die eigentlichen Apostel aller Irrtümer und Lügen der Zeit und was ihnen an umfassender Bildung und gründlicher Gelehrsamkeit abgeht, ersetzen sie durch absprechendes, brutales Auftreten, volkstümlichen Witz und schonungslosen Spott, durch den Fanatismus ihres Unglaubens.
Es ist erstaunlich, wie aufgeklärt Schustersjungen und Schneidergesellen heutzutage in den schwierigsten politischen und sozialen Fragen sich geberden, wie tief einfache Handwerker in die Geheimnisse der europäischen Kabinette eingeweiht zu sein vermeinen und wie bündig an jedem Biertische über den Unwerth der positiven Religion, das Absterben der katholischen Kirche und deren Bund mit der weltlichen Gewalt geredet wird.
Wer das Volk genau kennt und tagtäglich in Berührung mit den verschiedenartigsten Menschen tritt, der weiß am besten, wie gewaltig der Geist des Widerspruchs und der Empörung geworden und wie scheinbar er gebändiget ist und wer nicht sanguinisch genug sein kann, aus leisen Anfängen zur Besserung rasche Fortschritte derselben herzuleiten oder gar zu wähnen, es ließe sich in einigen Jährlein gut machen, was mehrere Menschenalter sündigten, der wird auf eine aufrichtige Rückkehr des jetzt lebenden Geschlechtes zur positiven Religion im Ganzen verzichten, in der Kraftentfaltung der katholischen Kirche und vor Allem in einer christlichen Jugenderziehung die einzige Rettung vor den einfachen Consequenzen herrschender Ansichten und Grundsätze, nämlich vor einer sozialen Revolution und der schauderhaften "großen Zukunft" des Spaniolen erblicken.
Bettelsack und Elend bleiben die Propheten und Werboffiziere des Communismus, die Halbgelehrten und Halbgebildeten die Apostel des Unglaubens, welche mindestens von den Männern des Proletariats am liebsten gehört werden.
Die Welt ist ein großes Zuchthaus und wie es hier zugeht, geht es vielfach in kleinen Zuchthäusern zu. In diesen wird wenig Schlimmes von Zeitungen und verderblichen Büchern gestiftet, weil solche nicht zu haben sind, eine strenge Hausordnung wird möglichst streng gehandhabt, weltliche Lehrer suchen rohsinnliche Naturen für höhere und edlere als rohsinnliche Genüsse empfänglich zu machen, Geistliche offenbaren die Weltanschauung des Christenthums, ein entbehrungsreiches, freudloses, hartes Leben fordert jeden Sträfling auf, in der Religion Trost zu suchen und durch dieselbe den verlornen sittlichen Halt wiederum zu erringen—dennoch ist von wahrer Besserung in Sträflingssälen wenig oder nichts zu entdecken, Hopfen und Malz sind an diesen Felsenherzen und Rohrmenschen verloren, so lange sie beisammen bleiben und bei den Bejahrtern gemeiniglich für immer.
Einen Grund dafür finden wir auch in dem Umstande, daß Halbgelehrte und Halbgebildete in jedem Sträflingssaale sich finden und ihre Kameraden im Grunde mehr beherrschen, als sämtliche Vorgesetzten zusammengenommen.
Allenthalben herrscht der Gebildetere über den Unwissenden und Rohen und wenn der Sträfling von vornherein geneigt ist, den besten Gefängnißgeistlichen mißtrauisch zu betrachten, so glaubt er dagegen von Herzen gern einem Leidensgefährten.
Wie mag ein Geistlicher Vieles ausrichten, dessen Person verdächtigt und verläumdet, dessen Lehre verdreht, verachtet und verspottet wird und mit welchem ein Sträfling selten ein vertrautes Wort reden kann, ohne sogleich verspottet, verhöhnt und verdächtiget zu werden? Was der Geistliche bei diesem oder jenem in einer Stunde gut macht, verdirbt der nächste, beste Fanatiker des Unglaubens in fünf Minuten oder noch rascher durch einen derben Witz.
Wo bleiben denn die Berichte der Geistlichen in den Schriften jener gloriosen Gefängnißkundigen, welche die gemeinsame Haft vertheidigen und Großartiges von der Besserung ihrer Pflegbefohlenen glauben machen wollen?—