Halbgelehrte Fanatiker des Unglaubens üben mächtigen Einfluß auf die Armen außerhalb der Gefängnißmauern aus, sie beherrschen auch als Sträflinge die Ansichten und das Benehmen ihrer Leidensgefährten und sind eigentliche Verderber der Besserungsfähigen unter denselben wie des gesammten Proletariates.
Es ist bekannt, welche Rollen ehemalige Sträflinge gelegenheitlich bei Revolutionen spielen und seit 1848 in Frankreich übernahmen, es ist auch begreiflich, weßhalb religionslose Proletarier und ungebesserte Entlassene den wahnwitzigsten Träumern des Sozialismus in die Arme stürzen und bei der wachsenden Anfüllung und Ueberfüllung aller Strafanstalten möchte einsame Haft für die verderbtesten, so wie für halbgebildete Verbrecher eine Maßregel politischer Klugheit sein, wenn auch diese Leute keine unsterbliche Seele besäßen und nicht die Bestimmung hätten, Glieder am Leibe Christi zu werden.
Bessern sie sich nicht in der Zelle, so verschlechtern sie doch keine Kameraden und machen Strafhäuser nicht zu Kasernen der Revolution.
Drittens endlich ist das enge Beisammenleben von Sträflingen verschiedener Confessionen für die auf den Grundlagen der positiven Religion allein mögliche Besserung nichts weniger als vortheilhaft. Der Protestant hat am Papste, an der Verehrung der Jungfrau Maria und der Heiligen, an der Ohrenbeichte und der Ehelosigkeit der katholischen Geistlichen ungemein Vieles auszusetzen, katholische Sträflinge wissen gemeiniglich nicht gehörig zu erwidern oder sie mögen weder für Jesuiten noch für Dummköpfe oder Heuchler gehalten werden; wenn die Israeliten gewöhnlich die Christen bei ihrem Glauben lassen, so thun getaufte Sträflinge den Israeliten gegenüber gewöhnlich das Gegentheil und aus all' diesem folgt, daß die Religion Aller wenig dabei gewinnt, wenn auch der religiöse Frieden ungestört bleibt.
Der Unglaube scheint im Interesse der Verbrecher zu liegen, halbstudirte und etwas belesene Sträflinge vertreten die Rolle der Priester des Zeitgeistes, das Zusammenleben der Mitglieder verschiedener Confessionen befördert kein Anschmiegen an positive Religion—woher soll da die Besserung kommen?
Wir wissen es nicht, haben es auch nirgends zu erfahren vermögen und kehren nach diesem traurigen Ausflug in den Speisesaal des Zuchthauses zurück, in welchem der Exfourier dem Zuckerhannes just den Begriff des "historischen Rechtes" in seiner gewohnten Art erläutert.
Der Aufseher stört diesmal den Redefluß des gelehrten Mannes, der Zuckerhannes erfährt nur noch, die großen Fische fräßen die kleinen und das sei historisches Recht und das Gespräch wird rasch auf die Begnadigungen gelenkt, welche diesen Morgen vorkamen.
Das Hasenmaul scheint bereits Neigung zur Verträglichkeit zu bekommen, setzt sich einen Augenblick neben den Duckmäuser, hört dem Gespräche zu und meint, der Jost, dem Alle die Begnadigung gönnten, sei eben doch wegen Straßenraub verurtheilt gewesen und ein solcher Kerl jeder Begnadigung unwürdig.
Auf solche Rede hin versetzt der gegenübersitzende Mordbrenner dem armen Hasenmaul einen Stoß auf die Brust, daß es über die Bank hinabpurzelt und laut aufschreit.
In diesem Augenblicke ruft das Glöcklein wiederum zur Arbeit der Aufseher muß zur Thüre hinaus auf seinen Posten, der Lärm der Sträflinge hat den Schrei des Hafenmaules schier erstickt und jetzt drängt Alles der Thüre zu. Wie ein kampfbereiter Stier steht der Mordbrenner vor seinem Opfer, ein Wort könnte das Hafenmaul in arge Ungelegenheit bringen, der Duckmäuser sucht Beide zu beschwichtigen, erklärt letzterm, er habe Unrecht, dem armen Jost das bischen Freiheit zu vergönnen und sagt: