Im Zuchthause sitzen manche Bursche dieser Art, der Zuckerhannes war keiner der Letzten derselben und ist solches Gebahren weder vernünftig noch christlich, so entspricht es doch der Bildungsstufe der Stiere, Elephanten, Nashörner, der Bergbewohner von Java, in welche der "Amok" fahrt und der vielgepriesenen Berserker.
Die Elsbeth schaute dem davonhinkenden Zuckerhannes verwundert nach, sah denselben über die Wiesen dem Walde zueilen und wäre ihm um ein Haar nachgesprungen, weil sie sich im ersten Augenblicke vor dem Gedanken fürchtete, er könnte sich selber ein Leid anthun. Doch rasch besann sie sich eines Bessern und nach einigen Stunden kehrte der Flüchtling wieder ganz ruhig und still zurück.
Man sah an seinen Augen, daß er erbärmlich geweint haben mußte, Thränen schwemmten den ersten wilden Schmerz fort und ließen die scheinbare Gleichgültigkeit einer stillen Verzweiflung zurück. Er wußte nie, wie leidenschaftlich er die Emmerenz geliebt und erfuhr es erst, nachdem er sie verloren.
Abends las er den zweiten Brief, derselbe rührte von der Emmerenz selbst her und nachdem er sich durch viele Hahnenfüße und Schreibfehler durchgearbeitet hatte, brachte er Folgendes heraus:
"Lieber Hans! Daß ich den rothen Fritz ein Jahr nach Deinem Unfall heirathete, wirst Du wohl wissen und daß ich jetzt recht ordentlich und glücklich mit ihm lebe, dafür danke ich Gott alle Tage. Rothhaarige Leute sind entweder recht gut oder recht schlimm und ich habe Vieles durchmachen müssen und oft bereut, nicht ledig geblieben zu sein, bis ich meinen Mann recht im Geschirre hatte. Jetzt ist das Aergste längst überstanden und ich wünsche nur, daß auch Du es recht gut bekommen mögest, es wäre endlich Zeit und würde damit manches Vaterunser erhört, welches ich für Dich betete, während Du eigentlich um meinetwillen, ohne daß ich Etwas dafür konnte, am bösen Orte schmachtetest. Die Kleider habe ich dem jungen Adlerwirth hinübergetragen, er ist ein braver Mann, in Vielem besser als sein Vater und wenn Du gescheidt bist, kommst Du aus Deiner Heimath zu uns herauf."
"Bevor ich den Fritz heirathete, habe ich mir ausbedungen, für Dich einen Antheil von dem zurückzubehalten, was die alte gute Ursula (Gott hab' sie selig und erlöse die arme Seele!) im Grunde nicht nur mir, sondern uns Beiden zurück ließ."
"Deßhalb komme und sei ohne Sorgen; so Gott will, stirbst Du nicht als ein alter Knecht und wenn's auch so käme, dürftest Du in deinen alten Tagen doch keine Noth leiden. Bei mir könntest Du freilich jetzt noch nicht wohnen, der Fritz ist in Manchem gar wunderlich aber später kann Alles anders werden und einstweilen hast Du ja ein Obdach im Adler."
"Wie sehr es mich freut, weil Gott Dich endlich vom langen Elend erlöste, sollst Du sehen, wenn Du kommst und bis dahin grüßt Dich Deine alte Freundin
Emmerenz."
"Was gedenkst Du anzustellen?" fragt die Elsbeth.