"Schier hätt' ich Lust hinaufzugehen, der falschen, treulosen Emmerenz und ihrem rothen Sidian das Leben recht bitter zu machen. Aber im Grunde ist es nicht der Mühe werth, ich habe die Alte nie recht mögen!"

"Brav und christlich heiß ich das gesprochen, man muß seinen Feinden eher Gutes als Böses anthun, aber das, was die Urschel vermacht hat, würde ich ihnen doch nicht schenken!"

"Aber ich! Ich mag nichts haben, jeder Bissen würde mir zu Gift und wenn ich denken müßte, von der Gnade und Barmherzigkeit eines schlechten Weibes zu zehren, würde ich mich vorher aufhängen."

"Nun, mit diesen Dingen ist's noch Zeit. Einstweilen bleibst Du bei mir, bei Deiner Pflegmutter. Ich will gut machen, was ich aus gutem Herzen an Dir fehlte.—Apropos, der Bettelvogt hat ausgeschellt, die Grund- und Häusersteuer müsse schon wieder bezahlt werden. Bei mir macht es just 4 Gulden 31 Kreuzer. S'ist ein Elend mit dem Zahlen, jedes Jahr wirds ärger und nicht die mindeste Rücksicht auf Wittwen genommen. Ich bin nur froh, daß ich außer Dir keine Kinder habe! ... Brauchst Du die zwei großen Thaler, welche der Adlerwirth geschickt hat?"

"Zum Kukuk damit, will sie gar nicht mehr sehen! ... s'thut mir freilich leid, wenn die Herren sie bekommen, möchte sie fast eher auf die Straße werfen, aber das Zahlen hat auch sein Gutes! ... Wenn der Bauer Heu frißt und dem Handwerker die Haut abgezogen wird, dann kommt es anders! sagt der Spaniol."

"Bravo, Ihr seid ein gescheidter Mensch und, soweit ich vernommen, auch droben am Bodensee gewesen?" sagt ein Fremder und trinkt mit pfiffigem Lächeln sein Braunbier.

"Seht, fuhr der Fremde fort, während er den Mund abwischte, seht, ich bin ein Konstanzer und weiß, wie's mit dem Zahlen steht. Wir gehen zu Grund vor lauter Zahlen und Beeinträchtigen, werden als aufrüherische Köpfe verschrieen und fragt aber kein Herr, wo uns eigentlich der Schuh drücke, so wenig man uns seiner Zeit fragte, ob wir badisch werden wollten oder nicht! ... An das Erzhaus Oesterreich hat die Stadt Konstanz in den letzten Zeiten jährlich 7000 Gulden bezahlt und seit der Regierung des Kaisers Joseph 7 oder 10 Mann jährlich ins Feld stellen müssen und blühten damals Handel und Gewerbe, und saßen in der Stadt viele vorderösterreichische Regierungsherren, welche viel Geld ausgaben. Jetzt aber muß die Stadt jährlich 70,000 allein an den Staat zahlen, Soldaten stellen, soviel Andere wollen. Jährlich wird Alles höher hinaufgetrieben, während der Verdienst jährlich mehr abnimmt und könnte Einer weinen, wenn er weiß, was die alte Stadt noch vor 25 Jahren war und heutzutage ist! ... Wäre Vorderösterreich ewig Vorderösterreich geblieben, dann versänken wir nicht jährlich tiefer ins Elend und das Steuerbüchlein machte uns schwerlich zu Radicalen!"

"Das kommt Alles vom Luther her; dieser brachte Empörung gegen Kaiser und Reich ins Land und wo gute Katholiken lutherisch regiert werden, müssen sie wohl dem Teufel in den Rachen fahren!" seufzt die Elsbeth und blickt andächtig nach dem Kruzifix in der Ecke.

"Da seid ihr ganz auf dem Holzweg, Frau Wirthin. Der Luther war der Schwan, von welchem der Huß prophezeite, als ihn das Conzil verbrennen ließ. Wir Konstanzer haben auch eine alte Prophezeiung aus jener Zeit und ist gar merkwürdig bisher in Erfüllung gegangen. Die Stadt Konstanz (soll nämlich der Huß selbst prophezeit haben), die Stadt Konstanz, sage ich, wird so lange abnehmen und zerfallen, bis mir an derselben Stelle, wo ich verbrannt werde, von ihr ein Denkmal gestiftet wird! ... S'ist so gekommen, man hat auch ein Denkmal errichten wollen, aber nicht dürfen, Gott sei's geklagt. Was bin ich schuldig?"

Der Fremde wollte aufbrechen, doch jetzt machte sich der Zuckerhannes hinter ihn und fand, derselbe kenne die ganze Seegegend, den jungen Adlerwirth, den rothen Fritz und auch die Emmerenz, sogar den Mooshof.