Ein Zellengefängniß ist jedenfalls keine Lasterschule, kein Werbeplatz für blutdürstige Utopier und hirnverbrannte Ikarier, wie Gefängnisse anderer Art und hierin liegt ein großer Vortheil für die Gesellschaft, den sie blos deßhalb nicht genügend anerkennen möchte, weil sie ihre wahren Interessen überhaupt gerne vergißt.

Bin ich als entschiedener Freund der Einzelhaft ein Feind der Anstalten alten Styles? Allerdings, doch kein unbesonnener.

Ein Zellengefängniß nach dem Muster des badischen ist zwar ein für Jahrhunderte erbautes Gebäude, aber Bau und Einrichtung kosten schweres Geld und Geld ist ein Artikel, den die Regierungen zu andern und möglicherweise zu bessern Zwecken verwenden können als zum raschen Aufbau "moderner Bastillen und Spitzbubenpaläste."

Wenn meine zuchthäusliche Wenigkeit in der Welt Etwas zu befehlen und Geld dazu hätte, so würde ich zunächst die vorhandenen alten Lasterschulen auch stehen lassen, vom Strafzwecke der Besserung klüglich schweigen und den Grundsatz der Abschreckung noch energischer als bisher geschah durchführen, zugleich aber auch den verderblichen Grundsatz, den Fehler eines Einzelnen oder Weniger sogleich Alle büßen zu lassen, aufstecken. Abschreckung wollte ich als verzweifeltes Mittel anwenden, weil bei alten, hartgesottenen Sündern schwerlich mehr an Besserung zu denken sein wird, wenn jeder Einzelne derselben nicht mindestens vier bis fünf Jahre unausgesetzt in einer Zelle untergebracht werden sollte.

Statt mit Dunkelarrest würde ich mit Hungerkost freigebiger werden, wo Noth an Mann käme und die alten Gefängnisse gerade so wie die badische Regierung gegenwärtig thut, allmählig in unvollkommene Zellengefängnisse verwandeln, bis vollkommene gebaut wären.

In den Einzelzellen der alten Strafanstalten würde ich die schlechtesten Subjekte unterbringen, damit dieselben mindestens die bessern Gefangenen nicht mehr zu verschlechtern im Stande wären und hiebei insbesondere auf die Halbgebildeten und Religionsspötter Bedacht nehmen.

In ordentlichen Zellengefängnissen dagegen würde ich vor Allem jugendliche Verbrecher unterbringen und bei diesen ausschließlich den Grundsatz der Besserung durchzuführen suchen, denn erstens biegen sich Bäumlein am leichtesten, so lange sie noch jung sind, zweitens würde ich nicht zuwarten, bis ein junger Mensch zum großgewordenen Verbrecher sich herangebildet und die sittliche Fäulniß in ihm tüchtig um sich gegriffen, sondern so schnell als möglich mit einsamer Haft dazwischen fahren und sicher sein, bei einem jungen Menschen in 18 Monaten weit mehr auszurichten als im Laufe von 4-6 Jahren bei einem Verbrecher, welcher dem Schwabenalter bereits nahe steht oder dasselbe gar schon auf dem Rücken hat.

Mit der Kur der Einzelhaft, wenn dieselbe bei jugendlichen Verbrechern rechtzeitig angewandt wird, ließe sich freilich bei der immer mehr zunehmenden Verarmung und Verdienstlosigkeit die Zahl der Verbrecher schwerlich namhaft vermindern, dagegen würden doch Rückfälle sicher zur Seltenheit werden.

Wie es geborne Dichter gibt, gibt es wohl auch geborne Diebe und vor Unglücklichen dieser Art wie vor andern Leuten an denen Hopfen und Malz verloren bleibt, würde ich die Gesellschaft dadurch zu schützen suchen, daß die unverbesserlichen Feinde derselben entweder unter beständiger sachgemäß verschiedener Aufsicht und Behandlung bei öffentlichen Arbeiten— Straßenbau, Festungsbau, Lichten von Waldungen—verwendet oder in Folge eines Vertrages mit einem andern Staate auf Nimmerwiederkommen in ferne Länder geschickt würden.

Träume sind Schäume!—