Im naheliegenden Amtsorte gab es einen Volksverein und keinen andern, in meinem Wohnorte dagegen tauchte trotz der allbekannten Gesinnung der Einwohner vor dem Mai 1849 kein politischer Verein irgend einer Art auf.

Was meine Wenigkeit anbelangt, las ich wochenlang keine Zeitung, ließ mich mondenlang kaum in ein politisches Gespräch ein, besuchte den Volksverein des Amtsortes auch nicht ein einziges mal, geschweige, daß ich Mitglied irgend eines Vereins wurde und habe nicht einmal eine Petition jener petitionenreichen Tage verfaßt oder unterzeichnet.

Benutzte ich vielleicht die Nähe der Gränze, um mit Flüchtlingen zu wühlen? Bekanntlich ist die Schweiz unschuldig am badischen Maiaufstande, derselbe ging von Mannheim aus und fing in der Residenz an, die Zahl der Flüchtlinge war sehr gering in Schaffhausen und Zürich, zwei Ausflüge dorthin und drei dahin brachten mich in Verbindung mit 3 ganzen Flüchtlingen, nämlich mit dem Vater meiner Zöglinge und 2 Studienfreunden, von denen Einer in den ersten Monden des Jahres 1849 nach Amerika ging.

Gegen den Frühling hin thaute ich wieder etwas auf, suchte Menschen fand dieselben zumeist in den Wirthshäusern, deutsche und schweizerische Republikanerblätter und aufregende Ereignisse liehen Stoff zu Gesprächen und weil mein Thun keineswegs mit meinen politischen Gesinnungen harmonirte, sondern lediglich durch mein gegebenes Versprechen eines gesetzmäßigen Verhaltens und meine gleichmäßige Verachtung aller damaligen politischen Partheien und feigen Windfahnen insbesondere bedingt war, so mag ich zuweilen durch derbe Redensarten Diesem oder Jenem wehe gethan haben, der es nicht verdiente aber vergaß, wohl auch verdiente, aber nur bis auf andere Zeiten scheinbar vergaß.—

Im April fand ich in Freiburg ein sehr bewegtes politisches Treiben und Wühlen, zahlreiche Bekannte, neben alten Freunden mehr als Einen, der meinen Müßiggang in politischen Dingen hart und bitter tadelte, mir bereits offener oder heimlicher Feind geworden war oder wurde, weil ich Allem zusah, zuhörte und stumm und unthätig blieb in beharrlicher Neutralität.

Die Verhandlungen der armen, verhetzten Soldaten begannen, ich warnte meine Bekannten unter denselben vor Unbesonnenheit, reiste beim beginnenden Sturm von Freiburg ab und saß am Tage der Offenburger Volks- und Soldatenverbrüderung im Mai 1849 bereits wieder in meiner Schulstube.

Obwohl ich meinen Credit als Republikaner bei Hecker und manchen Andern schwer eingebüßt, wäre es mir doch ein Leichtes gewesen, bei der provisorischen Regierung irgend ein Aemtlein zu erschnappen, mindestens als Commissär mit dreifarbiger Leibbinde und klirrendem Schleppsäbel Bürgern und Bauern einen nagelneuen, hochgebietenden Herrn zu zeigen. Ich that es nie.

Das Herz glaubt so gerne, was es wünscht!

Lügenhafte und prahlerische Zeitungsberichte gaben mir wieder eine bessere Meinung von den Menschen, die Dinge im Lande sahen von meinem Winkel aus betrachtet prächtig und vielversprechend herein, ich glaubte an eine baldige Versöhnung aller politischen Partheien, an Verzichtleistungen, eine süddeutsche Foederativ-Republik, weiß Gott, was ich nicht Alles ferne vom Schauplatze so ernsthaft glaubte, wie mancher schweizerische Landjäger, der mich um Neuigkeiten bat, welche über Nacht zum Heil der Völker vom Himmel gefallen.

Ich glaubte ernsthaft nicht das Gelingen, sondern das Gelungensein des Maiaufstandes; die Stellung, welche der Landesfürst mit seinen Räthen der Bewegung gegenüber annehmen würde, war mir jedoch noch nicht klar und als diese Gewissenszweifel verschwanden, dachte ich, der Staat habe Diener genug, bedürfe keines Schulmeisters, im Nothfalle höchstens eines Freiwilligen mehr.