Ich blieb bei der alten Behauptung, da hieß es: "Fort auf die Bank, 15 herab!—Gestehst du jetzt?"—"Ja, daß ich die Wahrheit sagte!"— "Nochmals 15!"

So ging es fort, bis ich 60 Prügel hatte, dann durfte ich abziehen, ließ ein Seidel Branntwein kommen, der "Vater", wie man den Profoßen nannte, nahm mir die Kette ab, ein Unteroffizier brachte Essig und Salz, die Frau des Gefreiten schickte Leinwand, mit Hülfe der Kameraden brachte ich es in der Nacht soweit, zumal ich nicht aufgeschlagen war, daß ich nicht geschunden wurde!

Nach 8 Tagen komme ich wieder ins Verhör und gebe keine Antwort.— "Weßhalb keine Antwort?"—"Ich habe die Wahrheit schon gesagt!"— "Bleibst du dabei?"—"Ja!"—Wieder 15 herunter!—"Gestehst du?"— "Ich habe Alles schon gesagt!"—"Das Verhör ist geschlossen!"

Der Profoß durfte mir nichts mehr geben, nach 3 Tagen ward Kriegsgericht für mich und Andere gehalten, das Urtheil fiel gerade aus wie in Jägerndorf, ich mußte durch 300 Mann Gassen laufen.

Auf dem Exerzierplatze sah man, ich laufe nicht das erstemal, wurde von den Soldaten sehr geschont, erhielt Geld von den Zuschauern und als ich aus dem Lazarethe kam, war ich ein "Unvertrauter" geworden, durfte nur die Kasernenwache beziehen und nirgends hingehen, ohne daß eine Ordonnanz bei mir war.

Jetzt bekam ich die Rosenrothen erst recht satt.

Von den Kameraden ward ich fast auf den Händen getragen, weil ich Niemanden verrathen, im Wolf fand ich die herrlichste Aufnahme, denn weder Margareth noch sonst Jemand hatten geglaubt, daß ich die gräßliche Strafe überleben würde.

"Mich wundert, daß Sie noch leben!" sagt die Wirthin—"Wen Gott halten will, hält Er, die Leiden mögen noch so groß sein!"—"Ja, es ist arg!" sagt die Margareth traurig—"Arg ist's gewesen, doch bin ich an Allem selbst schuld. Wäre nur heute Sonntag, da wollt' ich besser tanzen, als auf dem Exerzierplatze!—Am Sonntag wird's eingebracht!"—"He, 's wird halter noch einmal probirt, Franzos?" schreit ein Soldat—"Ja, Bruder, wenn ich nicht bald sterbe, sterbe ich nicht in Prag!"—"Aber die Ordonnanz?"—"Können nicht Zwei zusammen gehen?"—"Ist schon oft geschehen!"—"Was der Paule im Schilde führt, muß durch, ich muß noch österreichischer Bürger werden!"

Meine Ordonnanz war ein geborner Baier, ein armer Teufel, der 10 Jahre zu dienen hatte, wie alle, welche nicht 5 Fuß 5 Zoll groß waren; ich bewirthete ihn tüchtig und konnte, wohin ich wollte, nur nicht zum Hause hinaus.

Später ging ich in den Garten. Margareth erzählte, wie arg der Gefreite bei der Verhaftung seines Weibes geweint habe. Der Oberst hatte ihm versprochen, er sollte bald Fourier werden, kam das Geringste heraus, so durfte er nicht ans Fourierwerden denken. Die Leute im Wolf trösteten ihn, weil alle überzeugt waren, daß ich Niemanden verrathe.