Schnapps, Schnapps, Schnapps, du edeles Getränke
anstimmte. Ich mußte fast augenblicklich fliehen und floh ohne Geld, ohne Schriften, ohne Gepäck, ohne Ziel und Plan und ließ hinter mir die Heimath, die Ehre, den Frieden meiner Seele.
Ich floh nach Frankreich und zwar nicht als fortgejagter Schulmeister, sondern auch als Deserteur, da ich ein Jahr Kasernenleben mitgemacht und auf meinen Abschied noch lange zu warten hatte. In Straßburg ließ ich mich anwerben. Wenn ich meine Erlebnisse in Algier, Spanien, in Frankreich, besonders in Paris und Lyon erzählen und mich näher mit dem politischen und sozialistischen Theile meiner Geschichte befassen wollte, so würde dieser ohnehin wohl zu lang gerathene Brief vor einem bis zwei Jahren schwerlich ein Ende finden.
IV.
——Du, theuerster Anton, hast Deinem Bruder das Reisegeld gegeben und in zwei Wochen segle ich Amerika zu, um dort nach Kräften gut zu machen, was ich an der alten Welt, an dem Vaterlande, an meiner Familie und mir selbst gesündiget. Hätte ich nicht das Kleid eines gemeinen Verbrechers getragen, so würde ich in ein Kloster gehen, nicht sowohl um meine Schande zu verbergen, sondern um die Gnaden zu offenbaren, welche Gott auch dem Unwürdigsten noch zukommen läßt, wenn derselbe sich an Ihn wendet.
Es scheint mir nützlich und nothwendig zu sein, daß in den Tagen wachsender Armuth, unersättlicher Genußsucht und maßlosen Hochmuthes Menschen durch Thaten den Mitmenschen beweisen, wie wenig Einer braucht, um zu leben, wie wenig sinnliche Genüsse zum Glücke gehören und wie wenig Demuth und Selbstverläugnung uns erniedrigen. Klöster sind eine Forderung der Zeit.
Ach, ich möchte die Zahl Derer so gerne um Einen vermehren, welche laut und offen verkündigen, daß der moderne Staat wiederum ein christlicher werden müsse und daß Kaiser, Könige, Fürsten und Grafen bis herab zum Bettler hinter dem Zaune Eine Pflicht und Eine Bestimmung haben, weil Christus für Alle gestorben, Tod und Gericht Allen gemeinsam sind.
Leider sind jene Tage vorüber, wo auch große Verbrecher in stillen Klostermauern Aufnahme fanden, um Buße zu thun und durch Wort und Beispiel die Vergangenheit zu sühnen.
In zwei Welttheilen lebte ich als Seelenverderber, im dritten will ich als Seelenretter ausharren bis zum Ende und als ein in Christo Freigewordener, noch weit weniger als früher ein Gewicht auf die Warnung legen, welche Faust dem Wagner gibt:
Wer darf das Kind beim wahren Namen nennen? Die wenigen, die was davon erkannt, Die thöricht g'nug ihr volles Herz nicht wahrten, Dem Pöbel ihr Gefühl, ihr Schauen offenbarten, hat man von je gekreuzigt und verbrannt!