Ich besann mich auf dem Heimwege und blieb in der Fabrik.
Acht Tage später werde ich richtig auf die Wachtstube gerufen, sind da 2 Gensd'arme, führen mich vor Amt und der Asessor sagt, ich müsse jetzt 24 Stunden ins Loch und wenn ich in 8 Tagen nicht fort sei, lasse er mich heimtransportiren.
Bei der Rückkehr in die Fabrik nahm mich der Herr Director ins Verhör, wo ich gewesen sei und weil ich für ihn durchs Feuer gegangen wäre, entdecke ich ihm Alles haarklein und erfuhr wieder, was das für ein braver Mann war. Er spricht mir Muth ein, meint, wenn es Jedem der 1400 Menschen, die in der Fabrik arbeiteten, an der Stirne geschrieben stünde, was er schon gethan habe, müßte er Manchen fortschicken. Ich soll ihm und der Käth folgen und brav für mein Kind sorgen. Die acht Tage verstrichen und kein Mensch dachte daran, mich auf den Wald zu jagen.
Gehe ich an einem Sonntage Mittag von Busenbach nach Ettlingen, die Käth ist bei mir und hat unser Kind auf dem Arm, kommt uns just der Asessor mit 2 Herren entgegen, stellt mich auf dem Wege, thut aber ganz leutselig, erzählt Alles den andern Herren und sagt zu mir: "Er wisse, daß ich immer Kostgeld für mein Kind zahle, habe auch ein gutes Lob von den Herrn in der Fabrik, solle nur brav bleiben und für mein Kind sorgen und so fortmachen!"
Solche Rede gefiel mir sehr wohl und wenn ich alles überlege, muß ich sagen, daß ich mein Glück selbst mit Füßen getreten habe und ein Narr gewesen bin, mehr auf den rothen Mathäubesle, als auf den Herrn Director und andere Leute gehört zu haben, die es gut mit mir meinten. Ich hatte eine neue Heimath gefunden und wenn ich gescheidter gewesen wäre, würde ich darnach gestrebt haben, die Käth zu heirathen, die längst wieder in einer Küche zu Karlsruhe stand. Für mein Kind zahlte ich immer redlich das Kostgeld, aber statt bei meinem schönen Verdienst zu sparen, zog ich mit dem rothen Kaiben und Fabrikmenschern herum und habe mehr als Eine Nacht ganz durchgesoffen und gespielt und allgemach Schulden bekommen.
Wenn das Fabrikglöckle zur Arbeit rief, war ich oft voller Schlaf und halbbesoffen dazu und hätte einmal leicht bei meiner Maschine das Leben verloren, wenn nicht der Herr Director mich im letzten Augenblicke gepackt und irgendwo hingelegt hätte, um den Rausch auszuschlafen. Die Käth kam an Sonntagen, so oft sie konnte, hielt mich vom Saufen ab, wir Beide sollten nur Einen Schoppen trinken, gab mir die besten Vermahnungen, ich plärrte oft vor Rührung und fluchte oft wie ein Türke, denn ein Hitzkopf bin ich, Duckmäuser! ... He, schläfst Du?"
"Warum nicht gar, doch mach's kurz, in der Stadt draußen brummelt die Lumpenglocke und bis halb Fünfe ist's dann nimmer so lang!"
"Auch gut, wills kurz verlesen![">[ ... Mein Mädchen predigte umsonst, der Herr Director stellte mir Himmel und Hölle vor, aber der rothe Mathäubesle und Andere bekamen immer mehr Gewalt über mich, ich triebs immer ärger und ärger und wurde endlich entlassen. Die Käth weinte sich schier die Augen aus dem Kopf, die Eltern schimpften kannibalisch, aber jetzt war Hopfen und Malz verloren, der Asessor schnitt ein böses Gesicht, that fuchsteufelswild und ich zottelte eben wieder in den Schwarzwald hinauf.
Daheim bekam ich Arbeit beim Fürsten als Holzschläger und hielt's ein Vierteljahr mit dem Waldleben recht gut aus, obwohl die Arbeit ganz anders war als in der Fabrik, wo eigentlich der Arbeiter nur Befehlerles spielt bei der Maschine. In meinem Ort lobten mich die Leute sehr, weil ich so lange fort war, gut gethan und rechtes G'häs mitgebracht habe und als ich das Saufen wieder anfing, hätte mich ein Vorfall belehren können, daß ein armer Tropf schon deßhalb nicht versaufen sollte, was er auf und anbringt, weil man gleich glaubt, er habe das Geld dazu gestohlen.
Kommt eines Abends—es war just beim Nachtessen und ich spedirte die Kartoffel Nro. Dreißig ins Unterquatier!—kommt so ein Gensd'arm, schaut mich an, fragt wer und was, sieht meine Uhr an der Wand und nimmt sie weg, muß ihm mein Trüchle öffnen; er nimmt einen Rock, zwei paar Hosen, ein paar nagelneue Stiefel, drei Hemder, einen Hut, Schirm, endlich einen Stutzen und zuletzt mein Geld, es waren 18 Gulden 12 Kreuzer—und die Hausleute hattens in Verwahrung, weil ich das Trüchle nicht gut schließen konnte. Auch der Donat selbst gefiel ihm so, daß ich im Amtsgefängnisse übernachtete und zwar 6 mal. Man hatte dem Accisor unseres Ortes 50 Gulden gestohlen und 100 dabei liegen lassen und ich stand im Verdachte, wieder "gekratzt" zu haben. Aber ich konnte nachweisen, woher all' meine arretirten Sachen waren, es stellte sich heraus, daß der eigene Schwager des Accisors die 50 Gulden weggekratzt habe—es war auch ein Lediger, der gern ein Mäßlein lupfte, wie ich und ein Spezel von mir, ein völlig g'scheidter Kerl und nicht so schlecht, wie der rothe Mathäubesle, der doch nie im Zuchthaus war!—kurz, ich wurde nach sechs Tagen wieder frei, der Amtmann sagte gleich, ich hätte beim Accisor nicht gestohlen, denn ich würde die 100 Gulden auch eingesackt haben und ich glaube, er hätte Recht gehabt, wenn mir nicht die rechte Spitzbubencourage überhaupt mangelte.