Jeden andern Tag prangt ein winziges Stücklein Fleisch in der zinnernen Schüssel, ein Spatz vermöchte es bequem im Schnabel fortzutragen und doch bleibt Etwas immer besser als Nichts.
"Suppe!" Der Benedict hebt sein Schüsselchen unter den Schalter, der Aufseher schöpft ihm seine Portion aus dem Kessel, schlägt den Schalter zu und geht weiter.
Die Suppe, eine gute schmackhafte Reissuppe, ist noch sehr heiß, aber sie muß schnell gegessen werden, denn der Aufseher wird gleich mit der Hauptspeise da sein.
Heißes Essen schadet den Zähnen, Zuwarten kann dem Magen schaden, unter zwei Uebeln wählt ein gescheidter Mensch das kleinere, deßhalb ißt der Benedict die heiße Suppe.
"Hersch!—Hersch!" rufts im Gange.
"O jerum!" jammert unser Esser und weiß weßhalb. Der "Hersch" ist nichts anderes als Hirsebrei, eine im badischen Unterlande gewöhnliche Speise der Armen, im Zuchthause zu Freiburg wie überhaupt im Oberlande unbekannt und der Benedict mag nun einmal den fatalen "Hersch" nicht.
"Hersch!" ruft der Aufseher vor dem Schalter und bald ist das Schüsselchen gefüllt. Auch diese Speise ist noch heiß, allein sie hat keinen Nachfolger mehr und was der Benedict morgen nicht thun wird, weil er morgen Knödel bekommt, vor denen übrigens ein guter Baier das Kreuz machte, das thut er heute, stellt nämlich das Schüsselchen auf den Schrank, um den Brei kalt werden zu lassen und später zu essen.
Bevor die Anstalt Bruchsal die Kost für Gefangene, Kranke und Aufseher selbst bereitete, war sie für die erstere manchmal herzlich schlecht und zudem bekam der Zellengefangene Ursache, besonders nach den schönen Brodlaiben Freiburgs zu seufzen.
Dort wird jetzt die Kost und hier noch immer das Brod von der Anstalt unmittelbar bereitet, in beiden Fällen profitirt der Staat sammt den Gefangenen.
Wie mancher Kostgeber ist schon durch augenlose Gefängnißsuppen reich geworden, wie unzuverlässig ist die strengste Controlle, wenn Beamte und Angestellte nicht zuverlässig und gewissenhaft sind!—