Nro. 62 wie 205 saß früher in gemeinsamer Haft, beide preisen sich glücklich, von ihrer alten Kameradschaft erlöst zu sein und wenn ihnen irgend ein Gelehrter vom Glücke der Sträflingsgesellschaft vorpredigte, würden sie es in ihrer Einfalt für Scherz oder Spott halten; beide gehören zu den fleißigsten und besten Schülern, während sie gleichzeitig zu den fleißigsten und besten Arbeitern gehören, von den Werkmeistern noch niemals wegen Saumseligkeit oder gar wegen Nichtfertigung des ganzen Tagwerkes verklagt wurden. Nachdem das Vorlesen der Aufsätze beendiget, kommen die Rechnungsaufgaben an die Reihe.

Der Duckmäuser hat den Cubikinhalt eines cylindrischen Gefäßes berechnet, welches doppelt so hoch als weit ist und ganz gefüllt 2 Pfund Wasser aufnimmt.

Nro. 70 löste die Frage richtig, wie groß eine Seite eines Würfels von Gold sei, welcher 24 Loth wiege.

Dagegen brachte 401 die folgende Rechnung nicht ganz ins Reine, nämlich: "Ein Brunnentrog aus Sandstein hat die Form einer Halbkugel, deren ganzer Durchmesser 4'3" beträgt, wahrend die Steinmasse selbst 4" dick ist. Wieviel (badische) Maaß Wasser faßt dieser Trog und welchen Cubikinhalt hat die Steinmasse?"

Nro. 401 beging bei der Lösung der zweiten Frage einen Fehler, die meisten Mitschüler stimmen in ihrer Lösung überein und diese ist auch die richtige. Jener entdeckt und entschuldigt seinen Irrthum, seine Stimme und Rede zeigt, er sei dem Weinen nahe, um diesen alten Weiner zu trösten, darf er die Lösung der letzten der heutigen Aufgaben nennen und liest mit ruhigere Stimme:

"Nach der Angabe v. Humboldt's soll eine der ägyptischen Pyramiden 800' Höhe und an der Grundfläche, welche ein Quadrat ist, ebensoviel Breite haben. Wieviel Cubikfuß beträgt der Inhalt und wieviel Zentner etwa das Gewicht dieser Pyramide, wenn man obiges Maaß als badisches betrachtet und das spezifische Gewicht des Marmors, aus welchem sie bestehen soll, zu 2,736 annimmt?"

Die Lösung, welche Nro. 401 gibt, ist richtig, fünf Hauptrechner bezeugen es, der Oberlehrer thut dasselbe und beginnt dann eine kleine Prüfung über die Lehre der drei Arten von Hebeln, gewöhnlichen und festen Rollen und Flaschenzügen.

Nro. 349 hat diesen Mittag für sich in der Zelle berechnet, ein Rammklotz von 60 Zentnern, der etwa bei Wasserbauten angewendet würde, und 15' hoch herabfalle, wirke mit der Kraft von 18,000 Zentnern, welche nur Einen Schuh fallen. Der etwas hartköpfige Nro. 334 erbittet und erhält eine Erklärung des "Rades an der Welle" und der Benedict erläutert schließlich den Potenzflaschenzug.

Dann geht der vortreffliche Oberlehrer, welcher mit Pestalozzi Bibel und Kalender für die wichtigsten Urkunden des Menschengeschlechtes hält, daran, den Sonntagsbuchstaben zu erklären, durch den sich der Wochentag eines geschichtlichen Ereignisses sicher bestimmen läßt und ist noch nicht fertig, wie die Glocke ertönt und anzeigt die Lieblingsstunde vieler Zellenbewohner sei wiederum vorüber. Der Lehrer verschwindet, die Schüler setzen das "Grabhemd" wiederum auf, die Aufseher öffnen einen Verschlag nach dem Andern in der Ordnung, daß kein Gefangener dem Andern auf dem Fuße folgt oder gar entgegenläuft, Einer nach dem Andern steuert der Thüre zu, welche in seinen Flügel führt und nach wenigen Minuten steht Nro. 110 wiederum vor der Hobelbank.

Bleiben wir noch einen Augenblick bei der Schule.