Die Sträflingsschule des Zellengefängnisses zu Bruchsal erregt besonders die Aufmerksamkeit und Bewunderung der Besucher, weil die Sträflinge einen Grad von intellectueller Bildung und Bildungsfähigkeit entwickeln, den man in den besteingerichteten Gefängnissen anderer Art vergeblich suchen würde.
Die Regierung verdient sich den Dank der Menschheit, indem dieselbe Vieles für die Anstalt überhaupt und deren Schule insbesondere thut, tüchtige Lehrer, indem dieselben unermüdlich und im engen Vereine mit den Geistlichen beider Confessionen dahin arbeiten, aus unwissenden und rohen oder halbgebildeten und eingebildeten Gefangenen Menschen und Christen zu machen und vor geistiger Verdumpfung zu bewahren.
Die Schüler dagegen empfinden auch das ganze Gewicht der Wohlthaten, welche ihnen durch Unterricht gespendet werden und beweisen es durch ihre Anhänglichkeit für die Geistlichen und Lehrer, durch ihren Eifer für die Schule und vor Allem durch die Fortschritte.
Wer nur immer anerkennt, daß in der Bildung an und für sich eine Macht liege, welche die schwer zerstörbare Selbstsucht des Menschen mindestens verfeinern, ihm soviel Klugheit, Ehrgefühl und Selbstbeherrschung gewähre, um nicht leicht ein Verbrechen zu begehen, der wird sich entschieden für eine Sträflingsschule der Art aussprechen, wie dieselbe hier besteht und blüht.
Wir kennen auch keinen Fall, daß ein Gefangener, welcher diese Schule längere Zeit besuchte, wiederum rückfällig geworden wäre und wenn in dieser Anstalt vorherrschend jugendliche Verbrecher untergebracht und ihres Unterrichtes theilhaftig gemacht würden, so würde die Erfahrung lehren, daß die Zahl der Rückfälle sich ansehnlich verminderte.
Aber leidet der Gewerbsbetrieb nicht durch die Schule Noth?
Die beste Antwort liegt in der Thatsache, daß der Gewerbsbetrieb des Zellengefängnisses trotz mißlicher Zeitverhältnisse und eigenthümlicher Hindereisse [Hindernisse] mehr blüht, als der jeder andern Strafanstalt des Landes und daß die Blüthe des Gewerbsbetriebes zunächst vom Fleiße und der Geschicklichkeit der Sträflinge abhänge, wird wohl kein Gegner der einsamen Haft läugnen.
Der Zellenbewohner besucht nicht mehr Unterrichtsstunden als andere Sträflinge, dagegen ist es richtig, daß er Besuche vom Lehrer in der Zelle und bei dieser Gelegenheit besondern Unterricht erhält. Doch Besuche muß er überhaupt eine bestimmte Anzahl empfangen, wenn er nicht zu Grunde gehen soll und daß kein Besuchender, folglich auch kein Lehrer zu lange bei Einem verweile, dafür ist schon durch die Vorschrift gesorgt, daß jeder Beamte täglich eine verhältnißmäßig große Anzahl von Besuchen abzustatten hat.
Das Geheimniß der überraschenden Fortschritte, welche viele Zellenbewohner in Schulkenntnissen machen, liegt hauptsächlich in ihrer eigenthümlichen Lage. Die Einsamkeit verinnerlicht den Menschen, der Mangel an Gesellschaft treibt ihn, sich in arbeitsfreien Stunden selbst zu unterhalten und weil ihm Gelegenheit für schlechte Unterhaltung abgeschnitten, dagegen Gelegenheit zur guten reichlich geboten ist, so greift er eben nach letzterer.
Die Ruhestunden, die arbeitsfreien Tage, manche schlaflose Stunde der Nacht, in welcher das Denken eine Zerstreuung und Wohlthat zugleich wird, werden zumeist der Schule gewidmet und gerade der verhältnißmäßige Mangel an Eindrücken, welche er von der Außenwelt empfängt, stärkt sein Gedächtniß wunderbar für Alles, was in der Schule vorkommt, welche er besucht oder in den Büchern, welche er gelesen.