Im Jahre 1910 endlich – sie war inzwischen 84 Jahre alt geworden – erhielt Henriette Goldschmidt eine große Stiftung zur Verwirklichung ihres Gedankens.

Und nun ging sie ans Werk.

Bereits im Oktober 1911 konnte die neue Anstalt in ihrem stattlichen Heim zu Leipzig eröffnet werden.

Klarer und zielsicherer als einst die Hamburger Frauenhochschule wollte die Leipziger Anstalt den großen Gedanken Fröbels verwirklichen, den Gedanken, das weibliche Geschlecht seiner instinktiven Tätigkeit zu entheben und es von seiten seines Wesens und seiner menschheitpflegenden Bestimmung ganz zu derselben Höhe wie das männliche Geschlecht zu erheben. – Das erste (von Henriette Goldschmidt entworfene) Programm der neuen Anstalt verkündete daher: „Die Hochschule will

1. der Frau für die Ausübung des mütterlichen Erziehungsberufes eine auf gründlicher Einsicht beruhende Vorbereitung geben und
2. die Frau befähigen, sich den mannigfaltigen gemeinnützigen Aufgaben, die ihr innerhalb der Gemeinde des Staates und der Gesellschaft erwachsen, mit weitem Blick und mit vollem Verständnis für die Bedürfnisse der Gegenwart zu widmen.“

Zu diesem Zweck wurde die regelmäßige Abhaltung „freier Vorlesungen“ ins Auge gefaßt, und zwar wurden drei Gruppen gebildet, nämlich

I. Vorlesungen für allgemeine Bildung,
II. Pädagogische Vorlesungen,
III. Sozialwissenschaftliche Vorlesungen.

Das Programm sah für die verschiedenen Gruppen im einzelnen vor:

„I. Vorlesungen für allgemeine Bildung.

A. Philosophische Vorlesungen.