Neben diesen freien Vorlesungen, die für alle nach Bildung strebenden Frauen zugänglich sein sollten, die das 18. Lebensjahr vollendet hatten, waren Studienkurse zur Ausbildung auf bestimmte Frauenberufe vorgesehen. Der Eintritt in diese Studienkurse setzte eine sachgemäße Vorbildung voraus. Es wurden eingerichtet:
| I. | Studienkurse für Lehrerinnen der pädagogischen Fächer an Kindergartenseminaren, Frauenschulen und anderen Lehranstalten und |
|---|---|
| II. | Studienkurse für soziale Berufstätigkeit. |
Das war die Anstalt, die 1911 als „Hochschule für Frauen“ in Leipzig eröffnet wurde, die Anstalt, die nach Henriette Goldschmidts eigenen Worten die Krönung ihres Lebenswerkes darstellte und über deren Pforte ihr Lieblingswort leuchtete:
‚Der Erziehungsberuf ist der Kulturberuf der Frau‘.
Die Nachwirkung und Fortentwicklung ihrer Ideen an der Leipziger Hochschule für Frauen.
Zehn Jahre hat die Anstalt als „Hochschule für Frauen“ bestanden. Der im Voranstehenden abgedruckte Plan von 1911 wurde im Laufe dieser Jahre vielfach abgeändert und erweitert. Aber die treibende Kraft für all diese Reformen war nicht eigentlich mehr Henriette Goldschmidt, sondern die Initiative ging jetzt aus von den verschiedenen Vertretern der einzelnen Hauptfächer, die ihr Lehr- und Arbeitsgebiet – zum Teil auf Anregungen von außen – erweitern und ausbauen mußten. Eine ausführliche Darstellung dieser Entwicklung gehört daher nicht in eine Biographie Henriette Goldschmidts. Immerhin wird es den Lesern erwünscht sein, die Nachwirkung und allmähliche Realisierung der Goldschmidtschen Ideen wenigstens in großen Zügen kennen zu lernen. Darum seien im folgenden aus der Geschichte der Leipziger Frauenhochschule die wichtigsten Daten angegeben:
Im Winter-Semester 1911/12 wurde die „Hochschule für Frauen“ als Anstalt des „Vereins für Familien- und Volkserziehung“ mit zusammen 898 Hörerinnen und Studierenden eröffnet. Sie umfaßte damals drei Abteilungen, nämlich
| a. | die Allgemeine Abteilung (in erster Linie für Hörerinnen bestimmt), |
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| b. | die Pädagogische Abteilung (bestimmt zur Ausbildung von Lehrerinnen der Fröbelschen Pädagogik an Kindergärtnerinnenseminaren, Frauenschulen usw.), |
| c. | die Sozialwissenschaftliche Abteilung (bestimmt zur Ausbildung von beruflichen und ehrenamtlichen Kräften für das gesamte Gebiet der sozialen Arbeit). |