Bei der Hausfrau fand seine Heiterkeit keinen Widerhall, sie sagte ziemlich schroff: »So ein Betragen ist gar nicht mädchenhaft, und es ist mir unverständlich, wie die sanfte Charlotte solch einen Unband von Tochter haben kann. Das Mädchen ist zu keiner Hausarbeit zu gebrauchen, es tobt durch Haus und Garten schlimmer als ein Bube, und ich muß ehrlich gestehen, ich sehe es gar nicht gern, daß Hans-Heinrich sich gerade an Luise so anschließt.«

»I was,« sagte der Freiherr, »Luise ist ja noch ein Kind und ein liebes, warmherziges dazu. Meine Mädels waren auch so wild, daß ich schier meinen konnte, ich hätte das Haus voll Buben, nun sind sie doch so sittsam und bescheiden geworden, daß es eine Freude ist, sie anzusehen.«

»Ich wollte es Charlotte Flemming wünschen, daß Luise anders würde,« gab die Hausfrau zur Antwort, aber der Ausdruck ihres Gesichtes zeigte deutlich, daß sie wenig daran glaubte.

Der Eintritt Hans-Heinrichs, der kam, den Oheim zu begrüßen, unterbrach das Gespräch. Seine erste Frage war: »Haben Sie Nachrichten, wie es mit der Armee des Kaisers steht?«

Schon wollte Franz von Seeheim dem Neffen erzählen, was er wußte, denn er meinte, der Knabe sei alt genug dazu, aber da traf ihn ein so trauriger, bittender Blick seiner Base, daß er schwieg. Etwas verlegen räusperte er sich, dann brach er ziemlich hastig auf, das Anerbieten Hans-Heinrichs, ihn ein Stück zu begleiten, lehnte er fast schroff ab.

»Was hatte der Oheim?« fragte der Knabe, als sie beide allein waren, seine Mutter. »Es schien mir, als wollte er mir etwas verheimlichen?«

»Torheit,« sagte Frau Friederike rasch, »er ist schlecht gelaunt, weil er Sorgen hat. Das geht vorüber, kümmere dich nicht darum.« Sie nahm schnell, um ein weiteres Gespräch zu vermeiden, ihre Arbeit wieder auf, und Hans-Heinrich verließ das Zimmer.

»Immer werde ich wie ein Kind behandelt,« murmelte er trotzig, als er in sein Stübchen hinaufstieg. »Und ich ziehe doch mit, wenn es Krieg gibt, ich bleibe nicht daheim!«