Vogt Schwarze war noch nicht eingeschlafen, als es draußen zaghaft an das Tor klopfte. Er richtete sich auf und lauschte, war es eine Täuschung gewesen?

Es klopfte noch einmal, lauter, dringender, und ein Ruf kam von draußen, den er nicht verstand. Er stand rasch auf und nahm die Laterne und Schlüssel, um zu sehen, wer Einlaß begehrte. Als er in die Halle trat, kam Frau von Seeheim die Treppe herunter, auch sie hatte das Klopfen vernommen und sie ging nun mit dem Vogt zusammen auf den Hof.

Und wieder klang das Klopfen und wieder war es von angstvollem Rufen begleitet. »Pitié«! – Frau Friederike blieb stehen, »Franzosen,« sagte sie, und die Züge ihres Gesichtes wurden hart. »Wer begehrt Einlaß?« rief sie laut.

»Wir seien malade, mon camarade und ick, helft o pitié!« klang es flehend von draußen herein.

Der Schlüssel in der Hand des Vogts zuckte, er sah fragend auf seine Herrin. Eine Weile zögerte diese, sie lauschte mit vorgebeugtem Kopf. Sie schien zu überlegen, minutenlang, während draußen die Bitte wieder erklang. Franzosen waren es, Feinde. Von denen welche, die ihr den Mann, den Sohn geraubt hatten.

Jäh richtete sie sich empor, nein, für die hatte sie kein Mitleid. Mit harter, heller Stimme, die bis zu den Wartenden hinausklang, rief sie: »Nein, in meinem Hause ist kein Platz für französisches Gesindel. Wir wollen hineingehen!«

Sie ging langsam über den Hof zurück und betrat das Haus. Schweigend, aber zögernd, sich immer wieder umschauend, folgte der Vogt seiner Herrin; ihnen nach klangen die jammernden Rufe.

Die Außenstehenden hatten sich an die Türpfosten geklammert, sie starrten angstvoll zu dem Hause empor. Half man ihnen, ließ man sie nicht hinein? Ach, dort drinnen war noch immer Licht, war es warm, vielleicht gab es dort Brot, ein Lager zum Ausruhen!

Minute um Minute verrann, der eine der beiden Wanderer rüttelte wieder und wieder an der Tür, während sein Gefährte kraftlos in den Schnee gesunken war. Aber plötzlich verlosch oben das Licht, und in ein schweigendes Dunkel gehüllt lag das Haus da.

Ein Schrei klang durch die Nacht, ein Schrei voller Jammer und Qual. Der eine der beiden Verirrten preßte seinen Kopf an die Mauer und schluchzte wie ein Kind. Er wollte noch einmal rufen, aber die Stimme versagte ihm und nur ein Stöhnen kam aus seiner Brust.