Gab es denn keine Hilfe? Verzweifelt irrten seine Augen durch die Nacht, sie war ziemlich hell und er konnte sehen, daß weiterhin noch mehrere Häuser lagen, anscheinend war es ein größeres Dorf. Doch da, dort war es wieder, als schimmere ein Licht, oder war es eine Täuschung? Er sah fest darauf hin, die dunkle Masse dort war wohl ein Haus, und das Lichtlein blieb, es verlosch nicht. Er raffte noch einmal seine Kräfte zusammen und faßte seinen Gefährten unter den Arm.
»Mon camarade!«
Aber der murmelte nur müde: »Ach, laßt mich sterben!« Doch der andere ließ nicht nach, er zerrte und schob, und endlich kam sein Gefährte hoch, und nun taumelten beide dem letzten Hoffnungsstrahl in dieser eisigen Nacht zu.
»Ach, laßt mich sterben«
Pfarrer Flemming hatte noch lange, nachdem er aus der Kirche zurückgekehrt war, mit seiner Frau zusammengesessen, er hatte mit ihr über die Sorgen und Hoffnungen des kommenden Jahres gesprochen. Plötzlich hob der Pfarrer horchend das Haupt. »War es nicht wie ein Ruf, – hörtest du nichts, Charlotte?«
Auch die Frau lauschte, es war ihr als klänge ein Schrei durch die Nacht.
»Vielleicht ein Verirrter, der unser Licht gesehen hat,« sagte der Pfarrer, »ich will nachsehen, wer es ist und sehen, ob wir helfen können.« Er nahm eine kleine Laterne, seine Frau hüllte ihn sorglich in einen Mantel, sie selbst nahm ein Tuch um und sagte einfach: »Ich begleite dich!«
Der Mann nickte nur. Er schloß die Haustür auf und eine eisige Luft wehte ihnen entgegen. Eine Weile war alles still. Dann klang wieder ein Schrei durch die Stille, aber nur schwach, wie ein Todesröcheln. Die Eheleute gingen rasch dem Rufe nach, aber schon nach wenigen Schritten sahen sie am Gartenzaun, im Schnee, zwei dunkle Gestalten liegen. Der Zaun war für die schwachen Kräfte der Wanderer unüberwindlich gewesen, und die nahe Tür hatten sie nicht gefunden. Der Pfarrer beleuchtete sie, dann wandte er sich zu seiner Frau und sagte tiefernst: »Es scheinen französische Flüchtlinge zu sein.«