Der Unband Luise lachte unterdessen mit Fritzchen um die Wette, hörte die eine auf, fing der andere an, Fritz wischte sich mit seinen schmutzigen Händchen schon die Tränen aus den Augen, die ihm das Lachen erpreßt hatte. Von den Dorfleuten kamen etliche neugierig aus ihren Häusern heraus, und als sie die Pfarrerskinder so vergnügt lachen sahen, lachten sie mit. Endlich gelang es Luise, ihre Fassung wieder zu gewinnen, und sie sah, daß sich ihre Begleiterin bereits ein gutes Stück entfernt hatte, sie schämte sich, ihr nachzueilen, denn nun schlug ihr das Gewissen, daß sie die gute Jungfer so ausgelacht hatte. »Komm, Fritzel, wir wollen zurückgehen, ich glaube doch nicht, daß wir Schneeglöckchen finden!« sagte sie.
Der Kleine faßte ihre Hand und sah mit glänzenden Augen zu ihr auf. »Du, Luisel,« rief er, »war das nicht fein! Du, sage doch, warum haben wir denn gelacht?«
»O, du Dummerchen,« jubelte die Schwester, sie hob den kleinen Buben hoch empor und küßte ihn auf den roten Mund, »gelacht haben wir, weil Jungfer Karoline mich für ein Gespenst gehalten hat.«
Der Kleine verstand nun freilich nicht recht den Zusammenhang der Dinge, aber da er die Schwester so heiter sah, stimmte er wieder mit ein. Beide unternahmen einen Wettlauf und sie langten in der vergnügtesten Stimmung im Pfarrhause an. Dort hatten sich Frau von Seeheim mit Hans-Heinrich und Renate eingefunden, sie saßen bei dem jungen Offizier, der nun bald Abschied nehmen wollte, um über Thorn den Rückweg in seine Heimat anzutreten. Es wurde ihm bitter schwer, von dem Pfarrhause zu scheiden, das ihm eine so freundliche Heimat gewesen war, dessen Tür sich dem Flüchtling geöffnet hatte, und in dem man ihn pflegte wie einen Sohn.
»Was mag die kommende Zeit bringen?« hatte der Pfarrer gesagt. »Es ist in diesen Tagen eine Unruhe in meinem Herzen, als müsse ein Wetterstrahl herniederfahren, o, möge er Erlösung bedeuten für unser armes, duldendes Land!«
»Und wenn ich meine Waffe führen darf, dann gebe Gott, daß es im Dienst einer gerechten Sache ist,« hatte leise der junge Offizier erwidert.
Ein langes Schweigen herrschte; jeder hing seinen Gedanken nach. Die Knaben standen Hand in Hand, und der Pfarrer, dessen Augen forschend auf ihnen ruhte, verstand in ihren Seelen zu lesen; er wußte, sie dachten daran, auch einst ihre Jugend, ihre Kraft in den Dienst des Vaterlandes zu stellen. Seine Augen suchten Frau Friederike, und er las in ihren sorgenden Zügen die Angst vor den kommenden Tagen. Renate hatte sich an Charlotte geschmiegt; sie empfand die Sorge der anderen tief.
In diese Stille hinein stürmte Luise mit dem kleinen Fritz, ihr helles Lachen erklang schon von fern. Als sie die Stubentür öffnete, da drang von draußen herein Sonnenlicht und weiche Frühlingsluft, und Luise stand auf der Schwelle, mit einem so strahlenden Ausdruck in dem lieblichen Gesicht, als brächte sie den Frühling selbst mit.