»Jungfer Karoline denkt, unsere Luise ist ein Gespenst,« rief Fritzel. Er drängte sich mit drolliger Wichtigkeit hervor; als er aber die Frau Tante aus dem Herrenhaus gewahrte, verkroch er sich schüchtern in die Falten von Luises Kleid. Auch diese war verlegen geworden und helle Glut überflog ihr Gesicht, die auf Renates Wangen ihren Widerschein fand, denn diese war die einzige, welche Fritzels Worte verstand.
»Ein Gespenst!« Der junge Offizier brach zuerst das Schweigen, und Walter rief nun auch: »Du ein Gespenst, Luise?«
»Erzähle uns! – was soll das bedeuten,« gebot der Vater. Die Kleine senkte verlegen den Blick, scheu schaute sie hastig zu Frau Friederike hin. Die lächelte ein wenig und fragte: »Soll ich die Gespenstergeschichte nicht erfahren, Luise?«
»Erzähl doch!« drängte Fritzel.
»Ist es so schlimm?« neckten Herr von Lühenaar und Walter.
»Nein,« sagte Luise mit schelmischem Trotz, »es ist nicht schlimm, und ich wollte dem Vater ja nur eine Freude machen.« Geschwind erzählte sie nun von ihrem heimlichen Besuch bei Renate und von der Begegnung an der Küchentür und Jungfer Karolines heutiger geheimnisvoller Erzählung. »Was die Jungfer für Kettenrasseln hielt, war doch nur ein alter Spaten, an den ich anstieß,« schloß sie kichernd.
»Aber Luise, du wildes Mädchen,« rief die Mutter ein wenig erschrocken. Doch Frau Friederike, die sonst so viel an der Kleinen zu tadeln hatte, streckte die Hand nach ihr aus und sagte freundlich: »Komm, Luise, du bist ein liebes, tapferes Kind, und der Gesang damals hat uns allen eine große Freude gemacht!«
Mit stürmischer Innigkeit eilte Luise auf die Tante zu und küßte ihre Hand. »Seien Sie nicht böse,« bat sie schüchtern, und dann fügte sie mit einem treuherzigen Aufblick ihrer schönen braunen Augen hinzu: »Ich habe Sie so lieb, Frau Tante.«