»Herr Pfarrer, es gibt Krieg!« rief er vom Pferde aus dem Geistlichen zu, dem er auf dem Wege begegnete. »Hurra, Herr Pfarrer, unser König selbst ruft sein Volk zu den Waffen. Mein Weib weint daheim, aber segnend läßt sie mich ziehen, und so wahr ich Franz von Seeheim heiße, meine Pflicht will ich tun wie der Jüngsten einer!«
Er reichte dem Pfarrer ein Blatt, das ein Kurier von Breslau gebracht hatte, es war König Friedrich Wilhelm III. Aufruf »An mein Volk« vom 17. März.
Es war, als brause der Frühlingssturm durch den Wald. Des Königs Wort ging von Mund zu Mund und entflammte die Herzen und erweckte das deutsche Volk zum Kampf. Von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt flog der Ruf, und die Begeisterung stieg wie eine Feuersäule zum Himmel empor. Männer, in der Blüte der Kraft, und solche, denen schon der Schnee auf dem Haupte lag, Jünglinge, die noch den Kinderblick in den Augen hatten, alles griff zu den Waffen, in Scharen strömten die freiwilligen Kämpfer nach Breslau, wo der König weilte.
Im Herrenhaus zu Kloningken lag Hans-Heinrich von Seeheim vor seiner Mutter auf den Knien und bat:
»Laß mich ziehen, Mutter!«
»Laß mich ziehen, Mutter, wenn ich auch noch so jung bin, mein Arm ist stark und ich fühle meine Kraft. Mein Vaterland ruft, es gilt, Vergeltung für Jena zu holen, unserer Heimat die Freiheit zu erringen, Mutter, o laß mich ziehen!«
»Du bist noch mein einziger,« sagte Frau Friederike, und tiefer Schmerz lag in ihrer Stimme. »Mein letzter bist du, ich kann dich nicht missen. Dies Opfer ist zu schwer, ich kann nicht!«
»Walter darf auch mitziehen,« sagte Hans-Heinrich mit halbem Trotz.
»Er ist beinahe achtzehn Jahre, ist älter als du, und seine Eltern haben noch zwei Kinder!«