Hans-Heinrich sah den Freund an. »Ich wollte, ich wäre an deiner Stelle, o, Walter, wie beneide ich dich,« rief er, »ich glaube, ich ertrage es doch nicht, still zu Hause zu hocken, während ihr draußen kämpft! Lebe wohl, Walter, du Glücklicher!« Er reichte diesem rasch die Hand und eilte dem Hause zu, er wollte tapfer sein und nicht zeigen, wie schwer ihm die Entsagung wurde.

Träumerisch ging Walter zurück, da kam es mit leichten Schritten hinter ihm her, und als er sich umsah, stand Renate vor ihm. Sie trug ein weißes, blumiges Kleid, ihr blondes Haar war vom Winde zerzaust und umgab ihr Köpfchen wie ein Strahlenkranz, eine leichte Röte war von dem eiligen Lauf in ihre sonst so blassen Wangen getreten, Walter meinte, er habe sie noch nie so lieblich gesehen. »Ich sah dich mit Hans-Heinrich kommen,« sagte sie, »und wollte dir gern guten Tag sagen.«

Mit einer ihm sonst fremden Scheu ergriff er ihre Hand und hielt sie in der seinen. »Ich gehe nun bald in den Krieg, Renate, tut es dir leid?«

Walter erblickt Renate

In ihre blauen Augen trat das Wasser. »O, Walter, der liebe Gott beschütze dich, mir ist so angst um dich, so angst!«

»Renate!« des Jünglings Stimme schwankte bedenklich, »ich werde wiederkehren als ein Mann, als ein Sieger. Aber weißt du, unsere Vorfahren bekamen von ihren Damen ein Kleinod mit als Amulett, wenn sie in den Kampf zogen, gib mir eins, Renate, eins zum Zeichen, daß du an mich denkst!«

Verwirrt sah sie an sich nieder. »Ich habe doch nichts, oder da!« sie nahm eine kleine goldene Kapsel, die sie an einem schmalen schwarzen Bande um den Hals getragen, »nimm dieses hier.«

Ganz vorsichtig nahm es Walter zwischen seine Finger und öffnete es, »ach, es ist leer, doch warte!« Rasch zog er ein Messer aus der Tasche, und ehe Renate wußte, wie ihr geschah, fing er an, eine Strähne ihres blonden Haares abzuschneiden. Es ging nicht leicht mit dem stumpfen Messer, aber das Mädchen hielt geduldig still, so sehr es auch riß. Achtsam legte der Jüngling dann die Härchen in die kleine Kapsel und barg das Kleinod in seiner Tasche, »nun bist du meine Herrin, Renate,« sagte er ernsthaft.

»Ich will täglich für dich beten, Walter.«