Da lachte Luise unter Tränen. »Ach ja, Hans-Heinrich, das wird schön!« Sie schmiegte sich fest an ihn und sah treuherzig zu ihm auf: »Komme nur recht, recht bald wieder.«
Renate und Walter gaben sich nur die Hand, leise sagte der Jüngling: »Ich trage dein Amulett bei mir, Renate, ich werde dich nie, nie vergessen!«
Die Zurückbleibenden sahen den Scheidenden nach, solange nur noch ein Schatten in der Ferne sichtbar war, dann kehrten sie still in die Heimat zu ihrer Arbeit zurück. Manche Frau ging in diesem Jahr aufs Feld, führte mit kräftiger Hand den Pflug und versorgte dabei in rastloser Arbeit das Haus, damit der Mann, wenn er heimkehrte, die gewohnte Ordnung fände.
Frau Friederike irrte ruhelos durch Haus und Garten, sie konnte nicht, wie Charlotte Flemming, in stiller Arbeit ihre Angst und Sorge in der Stille ihres Herzens verbergen. Sie ging an die Lieblingsplätze ihres Sohnes, sie nahm in seinem kleinen Zimmer jedes Stück in die Hand, die Steine, die er gesammelt, die Bücher, aus denen er gelernt hatte, und sie bedeckte all die kleinen Andenken an ihn mit zahllosen Küssen. Sie ging auch in den Stall hinab und schmiegte ihren Kopf an das glänzende braune Fell seines Ponys. Dann wieder irrte sie im Garten umher, sie wollte zu der Bank gehen, auf der sie so oft mit dem Sohne gesessen und seinen kindlichen Plänen gelauscht hatte. Als sie näher kam, gewahrte sie, daß sich auf der Bank etwas Dunkles bewegte, nicht wie ein Mensch, wie ein unförmiger Knäuel erschien es ihr. Sie ging darauf zu und erkannte, daß es Luise war, die Nero, den großen Hund Hans-Heinrichs, umschlungen hielt. Ein leidenschaftliches Schluchzen erschütterte das Kind, in abgebrochenen Tönen klagte es: »Höre doch, Nero, Hans-Heinrich und Walter sind fort, in den Krieg sind sie beide gezogen. O, Nero, wenn sie nicht wiederkommen!«
»Luise, mein Kind!« Erschüttert beugte sich Frau Friederike über die Kleine, ihre Stimme hatte der noch nie so sanft geklungen. Sie richtete sich auf und sah in die traurigen Augen der Frau. Eine Ahnung überkam sie, von einem Leid, das viel, viel tiefer und schwerer war als ihr eigener Kummer. Sie schlang zärtlich die Arme um den Hals der ernsten Frau, und innig, tröstend flüsterte sie: »Tante, liebe Tante, ich habe es Hans-Heinrich versprochen, ich will Sie sehr lieb haben, ich will auch ganz still sein und Sie nicht kränken, und immer den lieben Gott bitten, daß er Hans-Heinrich und Walter zurückkommen läßt.«
Frau von Seeheim preßte die Kleine fest an sich, »wir wollen geduldig sein,« sagte sie leise, »und hoffen, daß unsere Lieben heimkehren.«