Ein Lächeln glitt über ihre Züge, »wie schön ist der Traum,« flüsterte sie.
»Nein, Renate, kein Traum, es ist Wahrheit, o sieh mich an!«
Renate erblickt Walter
Da öffnete sie die Augen, groß, angstvoll, daß der Traum ihr entschwinden könnte, und sah in ein gebräuntes Männergesicht, das ihr so fremd und doch so vertraut war. Ein Gesicht, an das sie im Wachen und Träumen, in heißen Schmerzen alle die Jahre gedacht hatte. War sie nur wirklich wach? Da lag das Pfarrhaus, da die wogenden Felder, die Sonne leuchtete rot, alles wie vorher und doch – »Walter,« rief sie plötzlich, »Walter, bist du es wirklich, du lebst, o mein Gott!«
»Ja, Renate,« sagte der Mann, »ich bin es, kein Geist; Fleisch und Blut, ich, dein alter Freund.«
»Du, ach du, kann denn das sein,« schluchzte Renate und umklammerte den Heimgekehrten. »Du, du lebst ja!«
Fritz Flemming stand im Pfarrgarten und hielt Umschau unter den Himbeerbüschen, er sah dabei den Weg entlang, und da fielen ihm vor Schreck die zwei dicken, roten Beeren, die er gerade in den Mund stecken wollte, aus der Hand, ja, was war denn das? Dort stand Renate, und ein Mann hielt sie ganz fest, der Mann aber war ihm ganz fremd, Hans-Heinrich war es nicht, und sein guter Freund, der Onkel Franz aus Schönheide, auch nicht. Eine Weile blieb Fritz ganz verwundert stehen, dann aber ließ er seine Beeren im Stich und lief eilends nach dem Pfarrhaus, um dort zu erzählen, was er gesehen hatte. »Draußen auf der Straße steht Renate, und ein ganz, ganz fremder Mann küßt sie immerzu,« schrie der kleine Kerl und stürmte in das Zimmer, in dem die Eltern und Luise saßen. Zuerst verstanden diese die Worte gar nicht, und der Pfarrer fragte: »Was hast du gesehen, Fritz, sprich?«
Und Fritzchen erzählte, mit vieler Wichtigkeit, was er soeben erlebt hatte. Frau Charlotte wurde totenbleich, ihre Lippen bebten, und mit einem beinahe angstvollen Ausdruck sah sie zu ihrem Manne hin, ihre Blicke senkten sich ineinander, und einer las in des andern Augen, Furcht und Hoffen. »Es wird Hans-Heinrich sein,« stammelte sie.
»Aber nein, Mutter, Hans-Heinrich ist's gewiß nicht,« rief Fritzel, »er sieht doch ganz anders aus.«