Am ersten Tage hatte Friede erzählt, die Sonntagkinder wollten einmal kommen und Jobst von Hellfeld. Aber ein Tag nach dem andern verging, sie kamen nicht, bis sie plötzlich eines Nachmittags ganz unvermutet auf der Dorfstraße standen.

»Was ist das jetzt für 'ne Geschichte,« sagte Schuster Pechdraht erstaunt; »da sind ja auf einmal drei Stadtkinder.« Da stürzte aber auch schon Traumfriede über den Dorfplatz und begrüßte die drei mit lautem Halloh. »Wie seid ihr hergekommen?«

»Kaspar auf dem Berge hat uns mitgenommen,« rief das Füchslein und strich sich sein weißes Kleidchen glatt. »Ich hab' ihn heute früh gesehen und gesagt, ich möchte nach Oberheudorf. ›Komm mit!‹ hat er gerufen, na – – – und da sind wir.«

»Ein paar Tage dürfen wir bleiben,« erzählte Jobst. »Der Wirt hat gesagt, Nachtquartier bekämen wir, nur heimgehen müssen wir zu Fuß, und Herr Professor läßt dich grüßen. Er kann nicht kommen, er hat einen schlimmen Fuß.«

»Und das da ist Heine Peterle, nicht wahr?« rief das Füchslein und stürzte so eilfertig auf diesen zu, daß der beinahe hintenüber fiel vor Schreck. Nachher wurde er aber gleich gut Freund mit dem zierlichen Stadtmädel.

Die drei Städter gefielen überhaupt den Oberheudorfern sehr gut, und es entstand fast ein großer Streit darum, wo sie wohnen sollten.

»Die Buben kommen zu mir, und das Mädel muß ins Schulzenhaus, weil der Schulze nun doch mal der Schulze ist,« entschied Kaspar auf dem Berge. »Immer alles, wie sich's schickt.«

Da der Wirt die Kinder hergebracht hatte, gaben ihm alle recht, und so zog Füchslein in das Schulzenhaus, obgleich es am liebsten bei Muhme Lenelies gewohnt hätte. Aber in dem kleinen Haus war kein Platz, während es im Schulzenhaus eine stattliche Gaststube gab mit einem hochgetürmten Federbett darin. Eine ebensolche stattliche Gaststube bekamen die Buben in der himmelblauen Ente, und sie gaben Kaspar auf dem Berge recht, als der sagte: »Ein Prinz könnte drin wohnen, wenn einer da wäre.«

»In Oberheudorf ist's herrlich,« rief Füchslein am nächsten Tage. »Ich wollte, ich könnte ewig hier bleiben!«

Die Hausfrau schenkte ihr gerade Milch ein und stellte ihr die verlockendsten Honigbrote hin. Jakob, Röse und die jüngeren Geschwister umdrängten den Gast, und Heine Peterle steckte seine Stubsnase zur Türe herein und rief: »Ist se noch da?«