»Warum soll ich denn fort sein?« fragte Füchslein erstaunt.

»Ich dachte, ich hätt's geträumt,« bekannte Heine Peterle. Er schob sich zur Türe hinein, warf einen riesengroßen, bunten Blumenstrauß gerade auf Füchsleins Honigbrot und stammelte: »Du, Muhme Rese sagt, weil de aus der Stadt bist, mußte de Blumen haben. Spielste auch Räuber und Prinzessin mit?«

»Ja,« schrie Füchslein entzückt, »und ich bin der Räuberhauptmann. Ich kann furchtbar schreien, paßt auf!« Und das zarte Stadtmädel schrie so laut und gellend, daß alle Hausbewohner zusammenliefen; selbst der Schulze kam angerannt. »Was macht ihr mit dem Mädel? Potzwetter, mit 'nem Stadtmädel geht man fein um!«

»Die – – die – – ist Räuberhauptmann!« Jakob krümmte sich vor Lachen. Röse und die Kleinen quiekten und kicherten. Heine Peterle aber stand mit offenem Munde da; endlich atmete er tief und bat: »Schrei noch mal!«

»Lieber nicht,« meinte die Hausfrau. »Jetzt hab' ich freilich keine Angst mehr, ihr könntet zu wild für unsern Gast sein. Da geht nur und spielt!«

Und sie spielten. Sie tobten die Dorfstraße entlang, daß Hans Rumpf grollte: »So schlimm war's noch nie.« Sie spazierten durch alle Gärten, sahen in alle Ställe hinein, lärmten um den Brunnen herum, und ganz alltägliche Dinge erschienen den Oberheudorfer Kindern auf einmal schön und groß, weil die drei Städter sie mit so jauchzender Freude bewunderten. Wie konnte sich das Füchslein über ein Lämmchen, ein Zicklein, eine junge Katze oder kleine Hühnchen freuen! So sehr, daß ihr Heine Peterle, Waldbauers Mariandel und Annchen Amsee am liebsten alles Kleintier gebracht hätten. Und wie gern fuhren Jobst und Ulrich mit auf das Feld hinaus, wo gerade der erste Schnitt getan wurde.

»Die sind besser als ihr,« sagten die Bauern; »die möchten wir wohl behalten.« Da blähten sich die beiden Stadtbuben ordentlich über das Lob, und am Abend schmeckte ihnen das Essen so gut, daß Kaspar auf dem Berge seine helle Freude daran hatte. Denn Gäste, denen es schmeckte, die tüchtig zulangten und die Schüsseln leer aßen, die hatte man besonders gern in Oberheudorf.

In diesem wohlhabenden kleinen Dorfe saßen die Bauern meist schon seit Urgroßvaters Zeiten auf ihren Höfen. Darum gab es in ihren Häusern auch viel stattlichen Hausrat. Geschnitzte Truhen und Schränke, schöne Kannen, Teller und Schüsseln aus Zinn, auch Spinnräder gab es noch, wenn auch nur ein paar ganz alte Weiblein aus alter Gewohnheit die Räder surren ließen. Füchslein ließ sich besonders gern alle diese Dinge zeigen. Die Buben waren mehr für das Draußensein. Wenn Füchslein auch immer sagte: »Am allerbesten gefällt es mir doch bei Muhme Lenelies,« so kroch sie doch im Schulzenhaus, bei Heine Peterles Eltern, bei Amsees und auf dem Waldbauernhof in alle Winkel. Auch in das Schulhaus kamen die Stadtkinder. Der Lehrer war zu Friedes großem Leidwesen verreist; aber die Frau Lehrer zeigte den dreien noch am letzten Tage die Schule. In der sah Füchslein zuerst eine Geige.

»Eine Geige, eine Geige,« rief sie sehnsüchtig, und die Lust nach dem geliebten Instrument erwachte in ihr.