Die Grünmützen von Feldburg.

»So, da wär'n wir ja,« sagte Kaspar auf dem Berge, als die ersten Stadthäuser vor seinen Blicken auftauchten. »Sitz gerade Bub und halt die Nase hoch! In der Stadt muß man reputierlich auftreten, sie heißen's hier Manieren.«

Er selbst reckte und streckte sich nach dieser Ermahnung, schnalzte mit der Peitsche und fuhr sehr stolz mit seinem mit Säcken, Butter und Eierkästen beladenen Wäglein in der Stadt ein. Er wollte es den Leuten da schon zeigen, was der Gastwirt aus Oberheudorf für ein gewichtiger Mann sei.

Friede schaute sich mit großen Augen um. Da war er nun in der Stadt, die er nur einmal im Winterschnee gesehen hatte, und in der er jetzt viele, viele Jahre wohnen sollte. Das Herz klopfte ihm stark, und er sah jedes Haus, an dem der Wagen vorbeirollte, so genau an, als müßte er gleich in alle Stuben hineinsehen und die Menschen betrachten, die darin wohnten. In der Vorstadt gab es freundliche, helle Häuser, die in großen oder kleinen Gärten lagen; je weiter in die Stadt hinein aber Friede kam, desto enger wurden die Straßen. Da gab es schmale Gäßlein mit uralten, spitzgiebeligen Häusern; ein dicker, grauer Turm erhob sich am Ende der Vorstadt, an ihm lehnte noch ein Stück zerbröckelte Stadtmauer, und darüber hatte der Efeu ein immergrünes Tuch gespannt.

»Ich fahre dich vors Organistenhaus,« erklärte Kaspar auf dem Berge, »es hat ein besseres Ansehen, wenn einer angefahren kommt.« Er klopfte dem Buben freundlich auf die Schulter: »Gelt ja, wir zwei beide wollen es den Städtern schon zeigen, was zwei rechte Oberheudorfer sind!«

Freundlich nickte er nach rechts und links und brummte dann: »Das ist nu so'ne dumme städtische Mode, daß sie nicht recht guten Tag sagen können.«

Das Wäglein rasselte und rumpelte durch die Straßen; nun ging es ein wenig bergauf, der Johannesplan war erreicht, und die alte Stadtkirche mit ihren schönen Portalen und den spitzen, schlanken Türmen erhob sich vor den beiden.

Über den Kirchplatz liefen just um diese Stunde eine Anzahl Buben, ein paar davon in Friedes Alter, die andern etwas größer. Sie trugen alle grasgrüne Mützen und sahen an diesem Morgen alle miteinander aus, als wären sie ganz aufgelegt zu lustigen Streichen. Es waren Gymnasiasten, die an dem letzten Ferientag sich mit ein paar Lehrern und Mitschülern auf dem Schulhof treffen wollten, um einen Ausflug zu machen.

Die Buben kamen sehr eilfertig heran; sie rannten beinahe Kaspar auf dem Berge mit seinem Wagen um.