»Herr Direktor, Herr Direktor,« jauchzten die Jungen, »Friede Pfennig, steig aus, gib ihm die Hand, sonst schilt Muhme Lenelies!«

Der Lärm, das Schreien, Lachen und Schimpfen wäre wohl noch eine Weile fortgegangen, wenn nicht der Organist Wunderlich aus seinem Haus gekommen wäre. Da stoben plötzlich die grünbemützten Gymnasiasten davon, und der sogenannte Direktor eilte beinahe ängstlich auf den alten Herrn zu und rief kläglich: »Jetzt verhöhnt mich sogar der grobe Bauer dort!«

»Ich bin kein grober Bauer, potzwetter noch mal, Sie – Bohnenstange; ich bin Kaspar auf dem Berge, Wirt zur himmelblauen Ente.«

Von der Schulmauer her, hinter welche die Gymnasiasten geflüchtet waren, kam ein wahrer Lachsturm. »Kaspar auf dem Berge bringt Friede Pfennig, haha, huhu! Herr Direktor, hahaha!«

»Na wartet nur!« Mit ein paar langen Sätzen verschwand der Direktor hinter der Schulmauer, und von dort her tönte erneuter Lärm, bis plötzlich eine tiefe Stille eintrat.

Der Oberheudorfer Wirt schaute höchst verdutzt drein, Friede aber saß ganz zusammengekauert auf dem Wagen, er kämpfte nur mit Mühe die Tränen nieder. »Das also ist mein künftiger Hausgenosse?« sagte der alte Herr jetzt freundlich zu ihm, dann wandte er sich zu dem Wirt und klärte diesen über seinen Irrtum auf. Der sogenannte Direktor war der Schuldiener Mayer, den die übermütigen Jungen meist spottend »Herr Direktor« nannten. Sie taten es leider, weil sie wußten, daß der Schuldiener sich bitter darüber ärgerte. Der hatte nun wohl gedacht, Kaspar auf dem Berge wolle ihn auch necken, und war darum so bitterböse geworden.

»Kurioses Volk, die Stadtleute!« murmelte Kaspar auf dem Berge. Er fuhr sich nachdenklich durch die Haare, und als er nun Friede so niedergeschlagen seine Sachen vom Wagen heben sah, sagte er gutmütig: »Mach dir nichts draus, Bube, daß sie dich Friede Pfennig genannt haben, du beißt dich schon durch, und beim Kohlbauern hast es ärger gehabt.«

Für Friede, den der Spott tief gedemütigt hatte, war dies der rechte Trost. Beim Kohlbauern, zu dem man ihn als armes, verlassenes Waisenbüblein gebracht, hatte er Schläge genug bekommen und Hunger gelitten, nein wirklich, so schlimm würde es hier sicher nicht sein, und ganz getröstet sah er zu dem kleinen, blitzsauberen Organistenhaus hinauf. In ihm sollte er künftig seine Heimat haben.

Er trug seine Sachen hinein, und drinnen kam ihm Fräulein Wunderlich, des Organisten Schwester, entgegen, eine rundliche, lebhafte kleine Dame. Sie empfing den neuen Hausgenossen aber nicht sonderlich freundlich.