»Ah, da bist du ja!« rief sie. »Na meinetwegen, mir ist es recht, daß du bleibst, nur das sage ich dir, mit schmutzigen Schuhen darfst du mir nicht in die Zimmer gehen; Maikäfer, Frösche, Mäuse und solche Tiere darfst du nicht fangen und sie in meine gute Stube setzen oder in mein Bett legen. Und Feuer darfst du auch nicht anzünden, daß einem in der Nacht das Haus über dem Kopf zusammenbrennt. So was kann ich nicht leiden!«
Friede wollte gerade bescheidentlich sagen, daß er alles dies gewiß nicht tun wolle, als die Dame eindringlich fortfuhr: »Mit den Leuten nebenan im großen Hause darfst du auch nicht sprechen, hörst du, sonst werde ich böse. So, und nun geh die Treppe hinauf! Rechts die erste Türe ist offen, das ist dein Zimmer, du kannst gleich deine Sachen auspacken.«
Husch war die Dame schon über den Flur gelaufen, um draußen mit Kaspar auf dem Berge zu sprechen. Von ihm wollte sie durchaus Hühner kaufen, obgleich der Wirt versicherte, er hätte keine. »Na, das begreife ich nicht,« rief Fräulein Wunderlich, »wie man vom Dorfe sein und keine Hühner haben kann!«
Kaspar ärgerte sich, er schwieg aber und dachte mitleidig: »Die Städter sind nun mal nicht recht gescheit, aber leid tut's mir um den Friede, er hätte lieber bei uns bleiben sollen.«
Friede war unterdessen die Treppe hinaufgestiegen, hatte eine Türe offen gefunden und sich etwas erstaunt in dem Zimmer umgesehen. Komisch war das, denn es stand mehr als alles darin, übereinander, untereinander, Möbel, Kisten und Kasten, Einmachbüchsen, eine Waschwanne, alte Blumentöpfe, Bilder mit zerschlagenen Rahmen, und Platz war wahrlich nicht viel, nicht einmal für so einen schmalen Jungen, wie Friede einer war. Der Bube war an einfaches Hausen gewöhnt, immerhin hatte er sich sein Stadtkämmerlein doch anders vorgestellt, wenigstens so sauber und ordentlich, wie es im Häusel der Muhme Lenelies aussah.
Kaspar auf dem Berge wollte auch sehen, wie der Junge untergebracht war. Er habe das der Muhme versprochen, erklärte er. So stapfte er hinter Friede die Treppe hinauf, während Herr Wunderlich selbst unten auf die Pferde achtgab.
»Potzhundert!« rief der dicke Gastwirt oben erstaunt, »meiner Seel', ich hätt' nicht gedacht, daß man in der Stadt so kurios die Kammern einrichtet. Hm, hm, nä, wirklich, Friede, meine Frau würde das 'ne Rumpelkammer nennen.«
»Muhme Lenelies auch,« sagte Friede kleinlaut, »aber da steht 'n Bett und – – –«
»Junge, sag mir mal, was machst du denn in meiner Schrankstube?« rief plötzlich Fräulein Wunderlich von unten herauf, und dann erkletterte die rundliche Dame eilig die Treppe. »Aber Junge, Junge, doch auf der andern Seite!«
»Rechts sollte ich – –,« stotterte Friede.