»Rechts, ach so, ja, ja!« Die Dame brach in ein höchst vergnügtes Lachen aus: »Junge, merk dir das, rechts und links kann ich einmal nicht unterscheiden, und wenn ich rechts sage, meine ich fast immer links, und wenn ich links sage, dann meine ich rechts, das ist mal so!«

»Ih, nä!« Der Wirt grinste: »So was, das habe ich meiner Lebtage nicht gehört, daß 'n Frauenzimmer so verdreht ist und links sagt und – – –«

»Erlauben Sie mal,« rief Fräulein Wunderlich entrüstet, »ich bin kein Frauenzimmer! Auf dem Dorfe gibt es Frauenzimmer, in der Stadt gibt es Damen.« Dabei sah sie den dicken Kaspar so von oben herab an, daß dem himmelangst wurde. Er scharrte verlegen mit seinen Füßen auf dem blitzsauberen Fußboden, was Fräulein Wunderlichs erneuten Ärger erregte. Sie sagte aber nichts und öffnete nun links eine Türe zu einem so freundlich eingerichteten Stübchen, daß Friede einen hellen Freudenruf ausstieß. »Hier soll ich wohnen, hier?«

»Freilich!« Das Fräulein lächelte nun freundlicher; sie strich sogar dem Buben die Wangen und sagte: »Mag's dir gut gehen bei uns in unserem Hause!«

Kaspar auf dem Berge nickte wohlgefällig, so war's recht; das Stübchen gefiel ihm wohl, und zuletzt schied er mit dem Bewußtsein, dem Friede ginge es so gut, wie es einem in der Stadt gehen kann. So schön wie in Oberheudorf konnte es eben nirgends sein.

Am Abend erzählte er daheim viel von seiner und Friedes Ankunft, von den Laubfröschen, dem falschen »Drektor« und dem verkehrten Frauenzimmer, und Muhme Lenelies, die in die himmelblaue Ente gekommen war, dachte voll heimlicher, sorgender Angst: »Wie wird es nur meinem Friede ergehen in der fremden, fremden Stadt!«

Die Oberheudorfer Buben und Mädels redeten am nächsten Morgen mehr vom Traumfriede und der Stadt als von ihrer Schule und ihren Arbeiten. Die Buben besonders beneideten den Kameraden glühend. Es mußte doch wundervoll sein, eine froschgrüne Mütze zu tragen! Allein um dieser Mütze willen wären die meisten gleich bereit gewesen, auch auf das Gymnasium zu gehen. »Und so'ne feine Kammer hat er,« wisperten die Mädels, »der Wirt hat gesagt, seine Fremdenstube wäre nicht schöner. Ach ja, der Friede hat's gut!«

»Vielleicht geh ich auch noch in die Stadt zur Schule,« sagte Heine Peterle daheim sehr wichtig zu Muhme Rese, »die grüne Mütze ist fein!«

»Ja,« meinte Muhme Rese, »'ne Mütze tragen und lernen ist halt 'n Unterschied; wieviel Fehler haste heute gehabt?«