Flugs war der Bube hinaus. Nach seinen Schularbeiten ließ er sich nicht gern fragen, denn darin sind die Erwachsenen komisch; sie schreien über ein paar Dutzend Fehler immer gleich, als wäre das eine ganz schlimme Sache! – – –
Ein böser Tag.
»Nimm's nicht schwer, wenn dir im Anfang alles etwas fremd vorkommt,« hatte der Organist Wunderlich seinen Hausgenossen ermahnt, als er am Nachmittag nach seiner Ankunft mit ihm hinüber ins Gymnasium zur Aufnahmeprüfung ging. »Sei tapfer! Wer ein rechter Mann werden will, darf nicht gleich verzagen, wenn auch der Anfang etwas schwer ist.«
Traumfriede nahm sich die Worte zu Herzen und dachte: »Ich will schon tapfer sein.« Doch bei der Prüfung hatte er die Tapferkeit gar nicht nötig, er wußte viel und konnte gut antworten. Die Lehrer sagten, das, was er noch nicht wisse, würde er schnell nachholen. Er kam, wie es der Oberheudorfer Lehrer gesagt hatte, in die Quarta hinein, und sein Pflegevater ging gleich nach der Prüfung und kaufte ihm eine froschgrüne Mütze. Die gehörte nun einmal dazu, und als Friede sie aufsetzte, dachte er: »Ach, könnte ich doch jetzt einmal mich damit im Dorfe zeigen!«
Der erste Tag und die erste Nacht gingen vorbei. Traumfriede schlief, trotzdem es ihm am Abend seltsam bang ums Herz wurde, doch wie ein Murmeltier im fremden Hause. Und tapfer, zuversichtlich und vergnügt marschierte er am nächsten Morgen in das Gymnasium hinüber, die grüne Mütze keck auf dem blonden Kopf. Er hatte es sehr eilig gehabt, und so betrat er als einer der Ersten den weiten Schulhof. Das Haus – es war ein ehemaliges Stiftsgebäude – kam Friede überaus prächtig vor, und da die große Uhr über dem Eingang ihm zeigte, daß er noch viel Zeit hatte, so blieb er stehen und betrachtete sich fast ehrfürchtig das weitgestreckte Gebäude, zu dem eine breite Freitreppe hinaufführte. Dorthinein sollte er nun täglich gehen; statt Hirtenjunge und Allerweltshelfer in Oberheudorf war er nun ein Gymnasiast, ein Lateinschüler, und später würde er vielleicht auch ein Pfarrer, ein Doktor, ein – –
»Herrjeh, da ist ja Friede Pfennig aus Oberheudorf! Na, Friede Pfennig, wie geht es denn Muhme Lenelies?« rief es da plötzlich laut in seine stolzen Zukunftsgedanken hinein.