»Potzwetter noch einmal,« schrie der Oberknecht erschrocken, »am hellichten Tage kann man hier nicht ruhig fahren, weil einem die Buben in den Weg laufen.« Srrr, srrr, sauste seine Peitsche durch die Luft, und hier gab es einen Schlag, dort einen. Die Kinder jammerten, denn die Peitschenhiebe waren nicht sanft, aber alles Klagen und Jammern übertönte plötzlich laut Heine Peterles Stimme. »Mein Brief ist weg, huhuhuhu, ich habe meinen Brief verloren.«

Die Wagen rollten vorbei, die Knechte schalten, Hans Rumpf schalt, die Kinder sollten nach Hause gehen, aber die blieben auf der Dorfstraße stehen und fragten und klagten untereinander: »Wer hat ihn denn?«

»Ihr habt ihn mir genommen, mein Brief, huhuh, mein Brief!«

»Er hat ihn doch aufgegessen!«

»Nä, ich hab'n nich gegessen, mein Brief, huhuh, mein Brief!«

»Hier liegt er!« Annchen Amsee, die Luchsaugen hatte und alles sah, was andere nicht sahen, hob ein schwarzes, triefendes Ding von der Straße auf: in einer Pfütze hatte es gelegen, und ein Wagen war darüber hingegangen.

Entsetzt starrten die Kinder den verunstalteten Brief an, von dem eine schwärzliche Tunke herniederrann, und jetzt streckten sich die Hände nicht nach ihm aus. Schulzens Jakob sagte kleinlaut: »Den kann man doch nicht mehr lesen!«

»Erst muß er ganz trocken sein,« riefen zwei, drei Stimmen.

»Ich weiß was!« Bäckermeisters Mariele schob sich wichtig vor und griff mit spitzen Fingern nach dem schmutzigen Ding. »Ich hab' mal mein Buch in den Schmutz geworfen und es hernach im Backofen fein getrocknet, dann konnte ich wieder alles lesen. Kommt, wir woll'n den Brief auch trocknen!«