»Fein,« riefen die andern, »und nachher lesen wir unsern Brief.«
»'s ist doch mein Brief,« schluchzte Heine Peterle, und auf einmal empfanden etliche der Mädel herzliches Mitleid mit dem Kameraden. Sie trösteten ihn, nahmen ihn in ihre Mitte, und Mariele sagte gnädig: »Wenn er trocken ist, bekommst du ihn zuerst.«
Alle miteinander zogen nach der Bäckerei. Das war nun keine Bäckerei, wie die etwa in einer Stadt ist. Abseits von dem Wohnhaus in einem Grasgarten stand das Backhäuschen, darin waren der Ofen und eine Backstube nebenan. Die war jetzt leer, aber der Ofen war warm, denn am Nachmittag wollten ein paar Bauersfrauen Striezel backen, und darum hatte Marieles Vater schon geheizt.
»Hier auf den Schieber müssen wir den Brief legen,« wisperte Mariele eifrig. Dann erschrak sie aber selbst, als sie das schmutzige Ding ansah.
»Leg meine Schürze unter!« Annchen Amsee hatte so geschwind, wie sie alles tat, Schwatzen, Essen und besonders Lachen, auch so rasch ihr Schürzchen abgebunden, das merkwürdig sauber war. Darauf wurde sorgsam der Brief gelegt und wie ein Brot in den Ofen geschoben.
»Nicht so rasch,« warnte Mariele ängstlich, denn die Buben schoben gleich sehr kräftig zu, sie dachten: »Viel hilft viel.«
Ein Weilchen standen die Kinder alle miteinander wartend in der Backstube, sie blieben aber nicht lange allein. Die Magd hatte sie durch den Grasgarten laufen sehen, und weil sie wußte, daß es verboten war, in das Backhäuschen zu gehen, meldete sie es rasch der Hausfrau. Diese rief ihren Mann, und der rannte denn auch ärgerlich nach dem Backhaus hinüber, riß dort die Türe auf und rief scheltend: »Na was soll denn das, was macht ihr denn hier alle in meinem Backhaus? Ei der Tausend, solche Gäste könnte ich hier gerade brauchen!«
Der Bäcker war ein gutmütiger Mann, darum klang sein Schelten auch nicht sonderlich böse, und ein paar von den Buben hatten auch den Mut, ihm die ganze Geschichte zu erzählen.
»Potz Weißbrot und Striezel, ihr seid doch ein närrisches Volk,« sagte der Bäcker, »backt 'n Brief in meinem Backofen. Na, woll'n mal sehen, ob er schon eine Butterbretzel geworden ist!«