»Das wär' fein,« schmunzelte der dicke Friede, der gleich Hunger bekam, wenn er nur das Wort »Butterbretzel« hörte.
Der Bäcker hatte unterdessen in seinen Ofen geschaut, aber er sah weder Annchen Amsees Schürze noch Heine Peterles Brief. Er fuhr suchend mit einem Stock im Ofen herum. »Meiner Seel',« rief er endlich, »das ist aber mal 'ne kuriose Butterbretzel geworden!« Er zog ein kleines Häufchen Zunder aus der Tiefe hervor: Schürze und Brief waren der Glut zu nahe gekommen und verbrannt.
»Mein Brief,« brüllte Heine Peterle, und Annchen Amsee weinte: »Meine Schürze, sie war ganz neu!« Doch alles Klagen und Weinen, alles Jammergeschrei half nichts, Brief und Schürze blieben verbrannt. Traurig, mit gesenkten Köpfen zogen alle miteinander heimwärts; wie die begossenen Pudelchen kamen sie einher, und wer die Buben und Mädel sah, schüttelte den Kopf und meinte: »Na, da hat's was in der Schule gegeben.«
Heine Peterle war ganz entzwei vor Kummer um den verlorenen Brief, er hätte doch so himmelgern gewußt, was darin gestanden hatte. Selbst Muhme Lenelies, die zum erstenmal bitterböse auf die Kinder war, denn auch sie hätte zu gern den Inhalt des Briefes gewußt, tröstete schließlich den armen Buben und versprach ihm, sie würde ihm Friedes nächsten Brief vorlesen. Das beruhigte Heine Peterle aber nur halb, und er stieg an diesem Abend mit dem Gedanken ins Bett: »Wenn ich nur wüßte, was in dem Brief gestanden hatte!« Auf einmal, er war schon völlig ausgekleidet, wutschte er zur Kammer hinaus, raste die Treppe hinunter, riß unten die Wohnstubentüre auf und brüllte: »Ich weiß, der Friede hat mich eingeladen!«
Schwapp, hatte er einen Katzenkopf weg. »Dummer Bengel,« rief sein Vater, »was soll das Geschrei? Man denkt ja, es brennt im Hause!«
So endete dieser Tag, der eigentlich wunderschön hätte sein müssen, trübe für den armen Heine Peterle. Es war nur gut, daß ein freundlicher Traum kam, sich an sein Bett setzte und ihm die prächtigsten Dinge erzählte. Als der Bube am nächsten Morgen aufwachte, war aller Kummer weg, wie weggeblasen, und als er in seine Höschen fuhr, sagte er höchst vergnügt zu Muhme Rese, die ihn geweckt hatte: »Aber mein war doch der Brief, mein Name hat drauf gestanden.«
Und ein wenig später ging er steif und stolz wie ein Gockel zur Schule und rief seinen Kameraden wichtig zu: »Etsch, ihr habt noch nie 'nen Brief gekriegt, aber ich!«
Da sahen ihn die andern betroffen an, seufzten und dachten: »Ja, recht hat der Heine Peterle schon, gekriegt hatte er den Brief, und das Lesen – – ja, das Lesen war schließlich doch Nebensache. Lesen konnte jeder einen Brief, aber kriegen nicht.«