Die Kinder hörten wohl, was der Herr Lehrer sagte, ihre Gedanken waren aber sehr wenig dabei, und Schulzens Jakob erzählte nachher daheim: Der Herr Lehrer müßte den Herrn Pfarrer nach Tannenroda schieben, und das wäre sehr wichtig. Die Buben und Mädel dachten nun daran, wie sie den schulfreien Tag recht vergnügt verleben könnten, sie machten Pläne, als wäre der eine Tag so lang wie die Sommerferien.
Wie etliche Buben und Mädel so schwatzend die Dorfstraße entlang gingen, trafen sie Friede Hopserling, den Müllerknecht. Mit dem waren sie immer gut Freund, und ihm erzählten sie auch gleich, daß morgen schulfrei sei. »Na, dann besucht doch den Friede in Feldburg,« riet der Knecht.
»Friede besuchen!« Die Kinder sahen sich an. Fein wäre das schon, aber Feldburg war arg weit, und ob sie durften?
»Macht's so. Ich fahre früh hin mit Säcken und nachmittags leer heim; zurück nehme ich euch mit, hin müßt ihr laufen. Fein, was?« Friede Hopserling grinste die Kinder an wie ein lachendes Kasperle vom Vogelschießen, die Buben und Mädel grinsten wieder, und auf einmal schrieen sie alle: »Ich will mit, ich auch, ich auch!«
Friede Hopserling übersah die Schar, schüttelte den Kopf, zählte an seinen Fingern ab und brummte endlich: »Vier, mehr nicht.«
»Ich, ich, ich, nein ich, lieber ich, nimm mich mit!« Jedes rief, jedes bat, aber der Knecht schüttelte den Kopf. »Geht nicht, vier, sonst haben's die Pferde zu schwer.«
Er trat zur Seite, maß nachdenklich den ziemlich breiten Straßengraben mit seinen Blicken und sagte dann: »Wer am besten springt, darf mit.« Er selbst sprang hinüber, zog drüben einen Strich, kam zurück und stellte sich an einen Meilenstein. »Einer nach dem andern, – wer fängt an?«
Die Kinder gehorchten, das Springen erschien ihnen zu lustig, und jedes hoffte: »Ich erreich's.« Anton Friedlich hatte sich vorgedrängt: »Ich will anfangen, ich spring' am besten.«
»Na los!« rief Friede Hopserling, und plumps lag Anton auch schon im Graben. »Mit 'nem großem Maul springt man nicht,« lachte der Knecht. »Schulzens Jakob spring!«