»So nun sind's vier,« sagte Friede Hopserling, »weil Annchen am besten gesprungen ist, darf sie sich noch ein Mädel aussuchen. Ein Mädel ist leicht, das ziehen meine Pferde noch.«

»Mariandel,« rief Annchen Amsee geschwind und lief auf das schüchterne blonde Dirnchen zu, das es gar nicht gewagt hatte, zu springen. »Du mußt mit, über dich freut sich der Friede am meisten.«

»Nä, über mich, an mich hat er geschrieben,« beharrte Heine Peterle, und die andern widersprachen ihm nicht. Sie redeten schon eifrig von der Fahrt, und ob es die Eltern erlauben würden. Doch die waren gut und sagten nicht nein; wenn Friede Hopserling die Kinder unter seinen Schutz nahm, dann waren sie wohl geborgen.

Es gab an diesem Nachmittag viel Aufregung im Dorf. Die Kinder liefen dahin und dorthin, um von ihrer Stadtfahrt zu erzählen, und jeder gab ihnen gute Ratschläge. Kaspar auf dem Berge sagte: »Nehmt ein Huhn mit, die Dame – denn das ist sie –, sie hat's gesagt, will immer ein Huhn haben!«

Da rannten die Kinder und flehten ihre Mütter an, sie sollten ihnen ein Huhn schenken, und die Mütter sagten, so was wäre Unsinn, dann sollten sie lieber daheim bleiben. Endlich, als das Bitten gar nicht nachließ, gab Heine Peterles Mutter wirklich ein Huhn her, eins, das keine Eier legte, pechschwarz und so unnütz war, daß man es im ganzen Dorfe nur den kleinen Teufel nannte. Nachdem die Kinder das Huhn hatten, wollten sie auch Eier haben, aber da schrie Heine Peterle: »Nä, nä, mit Eiern fällt man in der Stadt immer hin!«

»Ich geb' euch für den Friede und seine Pflegeeltern Kuchen mit, und damit ist's genug, weiter wird nichts mitgenommen,« sagte die Schulzenfrau endlich, denn ihr Jakob hätte am liebsten das halbe Bauerngut mit nach der Stadt geschleppt. Muhme Lenelies kam auch und brachte einen Brief für ihren Friede. Die alte Frau freute sich über die Fahrt der Kinder am allermeisten, sie dachte nur immer: »Wie wird sich mein Friede freuen! Gewiß hat er sich schon sehr gebangt!«

Die Liebesgabe.

Mit viel Geschwätz, Geschrei, mit großer Wichtigkeit und Eile brachen die fünf Reisenden am nächsten Morgen auf. Auf dem Dorfplatz am Brunnen trafen sie sich und taten, als wollten sie miteinander eine Reise um die Welt machen. Der Abschied war auch danach. Annchen Amsee und Mariandel weinten ein bißchen, und die Buben sahen so grimmig drein, als wollten sie in der Stadt die größten Heldentaten verrichten. Jedes trug ein rotgemustertes Taschentuch zu einem Eßbündelchen zusammengebunden, und jedes fand das überflüssig, nur Heine Peterle nicht, der sagte: »In der Stadt ist's komisch, ich hab' dort nischt zu essen gekriegt.« Sein Bündelchen war auch am dicksten, und seine Mutter meinte bedenklich: »Das ist zu viel, du wirst ja krank!«

»Nä,« rief Heine Peterle vergnügt, »vom Essen nie!« Und pfeifend zog er mit seinem Bündel neben den Gefährten her, er kam sich so ungeheuer klug und erfahren vor; er war doch schon einmal in der Stadt gewesen, und gewiß würden sie in der Stadt sehr staunen, daß Heine Peterle aus Oberheudorf wieder einmal kam.