Buben und Mädel sahen einander verdutzt an, endlich sagte Annchen Amsee schüchtern: »Ach – – hier ist's wohl zu fein für ihn?«

»Wo ist er denn?« rief Mariandel kläglich. »Ich will doch zum Friede!«

»Im Nebenhaus drüben wohnt er, Kinder!« Fräulein Wunderlich seufzte wieder; ja, nun mußte sie doch den Kindern alles erzählen!

Aber da sagte Marie plötzlich: »Das mit dem Friede ist nu so'ne Geschichte. Mein Fräulein hat nicht gleich gewußt, was das für'n guter Junge ist, und hat gedacht, er tut's aus Bosheit, daß er rüber in'n Garten geklettert ist, und drüben, da wohnt 'n alter Herr, der hat ihn gleich behalten. Habt ihr denn das in Oberheudorf nicht gewußt?«

»Nä!« Die Kinder sahen wieder höchst erstaunt drein. Maries Rede hatten sie nicht ganz verstanden, nur Mariandel rief plötzlich entrüstet: »Der Friede ist doch nicht boshaft!«

»Ih wo, ist er auch nicht,« beruhigte Marie, »ich bringe euch nachher ins Nachbarhaus, und dann erzählt ihr dem Friede, wie schön's hier gewesen ist.«

»Ja, und sagt ihm, er möchte mich recht bald besuchen,« fiel Fräulein Wunderlich hastig ein, und im Herzen nahm sie sich vor: »Ich tue dem Buben was Liebes an, ich will meine Härte gut machen.«

»Jetzt wird bald drüben die Schulglocke läuten, nun kommt euer Friede gleich raus,« rief Marie, und dies Wort ließ selbst das plumpssatte Heine Peterle gleich aufspringen, und die Buben wären beinahe ohne Lebewohl und Dank hinausgestürmt; aber Annchen Amsee mahnte mit sanften Püffen an diese Pflicht, und so dankten denn alle sehr höflich, legten ihre braunen Patschen treuherzig in der Hausherrin weiße Hand und versprachen sehr vergnügt das Wiederkommen.

»Wenn wieder keine Schule ist,« »Wenn Schnipfelbauers Fritz wieder fährt,« »Nächste Woche vielleicht,« so tönte es durcheinander. Und dann dachten die Mädel an den Kuchen und an das Huhn, aber Fräulein Wunderlich sagte, das müßten sie alles mit ins Nachbarhaus nehmen, das ginge nicht anders. Das wollten aber die Kinder durchaus nicht, denn das Huhn hatten sie doch für Fräulein Wunderlich mitgebracht. Kaspar auf dem Berge hatte doch gesagt, das Fräulein wünsche sich eins.