»Behalten Sie's nur,« redete Annchen Amsee zu, »es ist ganz gut, und meine Mutter sagt, vielleicht legt's doch Eier, man weiß nur nicht wohin.«

»Nä, ich nehm's nicht mehr mit,« wehrte Heine Peterle ab, der heimlich Angst hatte, er müßte es tragen, und die andern sagten es auch, von dem Kuchen sagten sie aber nichts.

»Ich dächte, 's wär' schon am besten, wir behielten den kleinen Teufel jetzt da,« ließ sich Marie vernehmen, »denn sonst passiert den Kindern noch was damit.«

»Nun gut, es soll hier bleiben, und der Friede kann's besuchen,« entschied Fräulein Wunderlich. »Und vergeßt es nicht, Friede zu sagen, er soll bald zu mir kommen,« mahnte sie noch, als die fünf schon zur Haustüre hinausliefen.

Die hörten dies kaum noch, sie sahen die ersten Grünmützen über den Johannesplan laufen und rannten auf das Gymnasium zu. »Da ist er!« brüllte Heine Peterle, und trotz der vielen Schokolade lief er nun doch wie ein Wiesel ihm entgegen in den Schulhof hinein.

»Friede, wir sind da! Friede, wir woll'n dich besuchen!« Traumfriede wußte nicht, wie ihm geschah, als ihn da auf einmal die fünf Oberheudorfer umringten. Jubelnd und lachend schwatzten sie auf ihn ein und merkten es gar nicht, daß sich um sie herum lauter Grünmützen stellten. »Hollah, Friede Pfennig hat Besuch bekommen, wohl auch aus Oberheudorf!« schrie ein Klassengenosse, und ein paar Stimmen schrien es ihm nach.

Friede wurde totenblaß bei diesem Spott, und ein häßliches, nie gekanntes Gefühl stieg in ihm auf: er schämte sich in diesem Augenblick der alten Freunde, und diese Scham schloß ihm jäh den Mund.

Die fünf sahen ihn an. Der da, das war doch gar nicht mehr ihr Friede, ihr alter Schulgefährte. So fremd sah er aus, und nun merkten sie auch, daß die Buben, die um sie herumstanden, spotteten, keck und übermütig. Ein langer Junge griff nach Heine Peterles vielgeliebter Pelzmütze, die dieser trotz des warmen Frühlingswetters trug. »Heda, du kommst ja wohl vom Nordpol?«