»Ja doch, er hat dies alles gesammelt,« erklärte Friede, und in seine blauen Augen trat ein träumerisches Sinnen. Er fand nämlich die kaputen Sachen gar nicht so häßlich. Aber da puffte Heine Peterle und kicherte: »Nun sieh doch da den Topf mit 'nem Loch, und da noch einen, und der Mann hat keine Arme, und, hihihihi, der Frau haben sie die Nase abgehauen.«

»Herr Professor hat aber seine Freude an den Sachen,« sagte Friede, und er hätte ganz gern den Freunden von den alten Griechen und Römern etwas erzählt, denen einst alle diese Dinge gehört hatten. Die fünf meinten aber, es wäre nun besser, sie gingen in die Stadt. Die zerbrochenen Töpfe gefielen ihnen gar nicht, ja Annchen Amsee sagte verächtlich: »Meine Mutter hat ein paar, da fehlt der Henkel, aber die sind viel hübscher.«

»Ach, kommt in die Stadt, ich will was kaufen,« rief Schulzens Jakob und klimperte protzig mit drei Groschen. Er kam sich ungeheuer reich vor.

»Ja, einkaufen wollen wir,« riefen auch die andern. Da schwieg Traumfriede von den alten Griechen und Römern und führte seine Heimatgenossen in die Stadt.

Feldburg hatte nur eine Hauptstraße, in der es hübsche Läden gab, denn es war ja eine kleine Stadt, Großstädter nannten sie eben »ein Nest«. Aber die Oberheudorfer Buben und Mädel waren halt keine Großstädter, ihnen kam die Stadt erstaunlich groß vor. Ihre derben Schuhe klapperten laut über das Pflaster, als sie nun wieder über den Johannesplan trabten. Jeden Menschen, den sie sahen, grüßten sie höflich. Als sie aber in die Hauptstraße einbogen, sagte Friede: »Laßt lieber das Gutentagsagen sein, hier tut man das nicht!«

»Pfui, wie unhöflich!« Annchen Amsee rümpfte das Näschen, aber gleich darauf vergaß auch sie ihre Entrüstung, denn Heine Peterle schrie plötzlich laut auf: »Nä, da rennt 'n Wagen ohne Pferde!«

Die Wege, die nach Oberheudorf führten, waren nicht besonders glatt und schön, und darum hatte noch niemand diese Fahrt mit einem Automobil unternommen. Ein solches Fahrzeug war den Kindern also vollständig unbekannt. Sie staunten es darum mit offenem Mund an. »Wie war es nur möglich, daß ein Wagen ohne Pferde fahren konnte!«

»Da ist noch einer!« schrie Jakob, und alle fünf rannten auf den Fahrdamm dem merkwürdigen Ding entgegen.

»Runter!« brüllte sie da ein Mann an. Er faßte Heine Peterle und Schulzens Jakob beim Kragen, Friede zerrte die Mädel auf den Fußsteig zurück, eine Frau hatte Schnipfelbauers Fritz ergriffen. Mit einem Ruck stand das Automobil still, es hätte beinahe die Kinder überfahren. Der Chauffeur, die Insassen, die Fußgänger, alles schalt auf die Kinder ein, die so verdattert waren, daß sie gar nichts sagen konnten. Nur Schnipfelbauers Fritz schrie immerfort: »'n Wagen ohne Pferd, 'n Wagen ohne Pferd!«

»Die sind ja wohl aus Afrika?« brummte ein dicker Schutzmann, und die Umstehenden lachten.