»Nee, die sind aus Oberheudorf,« brüllten etliche Grünmützen, und Friede erkannte zu seinem Entsetzen ein paar Klassengenossen. O weh, nun würde der Spott wieder losgehen. Er senkte scheu den Kopf und bat: »Kommt doch, kommt, da ist ein Laden. Annchen kann dort eine Tasse kaufen.«
Den fünfen war das recht. Sie waren auch froh, aus dem Tumult herauszukommen, und so folgten sie alle eilig Friede in einen großen Laden hinein. Hier vergaßen sie vor Staunen gleich den soeben überstandenen Schrecken. So viele schöne Tassen, Teller, Krüge, Vasen, silberne Kannen und Zuckerschalen und hunderterlei Sachen hatten sie noch nie gesehen. Besonders die Mädel gerieten fast aus dem Häuschen vor Freude, und Annchen Amsee rief gleich: »Die Tasse will ich kaufen, – nein, die da, nein, die!«
Die Verkäuferin sah die neuen Kunden etwas erstaunt an. Weil aber Annchen Amsee so rasch dies und das kaufen wollte, lächelte sie huldvoll und sagte: »Sucht euch nur aus, die Tassen dort sind besonders schön.«
Ja, Annchen fand die bezeichneten Tassen auch wunderfein, sie waren ganz mit Rosen bemalt und innen vergoldet. »So eine nehme ich,« rief Annchen und holte ihr Sacktüchlein hervor, in dem sie ihr Geld eingebunden hatte. Sie war sehr reich, reicher noch als Schulzens Jakob, denn sie hatte vier Groschen. Wichtig legte sie das Geld auf den Ladentisch und fragte: »Krieg ich zwei dafür?«
Ihre Gefährten sahen sie bewundernd an. Nein, war das Annchen schnell beim Kauf! Sie tat ja gerade, als wäre sie schon hundertmal in der Stadt gewesen und hätte schon oft schöne Tassen gekauft.
Die Verkäuferin hatte eine Rosentasse vom Brett genommen und sah nun prüfend auf das Geld. »Aber Kind,« rief sie, »so eine Tasse kostet drei Mark! So billige Tassen haben wir überhaupt nicht; da kannst du höchstens so eine dafür bekommen.« Sie hielt Annchen eine glatte weiße Tasse hin, die nur einen schmalen goldenen Rand hatte. »Nimm die, sie ist sehr hübsch.«
»Nä, die is nich hübsch, gar nich.« Heine Peterle kam Annchen zu Hilfe. Er mußte doch zeigen, daß er in der Stadt Bescheid wußte, und kräftig tippte er mit seinem braunen Zeigefinger auf die Rosentasse: »So eine soll's sein.« Klirr, wackelte dabei die Tasse hin und her. »Ih, du dummer Bube,« rief die Verkäuferin und sah auf einmal gar nicht mehr freundlich, sondern ziemlich ärgerlich aus. »Gleich läßt du die Tasse stehen! Ich dachte es mir gleich, solche teure Sachen sind nichts für euch. Geht hier gleich gegenüber zu Herrn Schulze, das ist ein Ramschladen, der hat Tassen genug für euch.«
»Ja, wir wollen lieber gehen,« flüsterte Mariandel und sah ängstlich auf Schulzens Jakob, der sehr eifrig eine schöne Vase befühlte. »Kommt, sonst macht Jakob was kaput.«