Die Verkäuferin schien das auch zu befürchten, sie rief erschrocken: »Stehen lassen, nichts angreifen! Wer etwas anfaßt, muß Strafe zahlen. Geht nur, geht; im Ramschladen findet ihr schon etwas!«
»Ja, kommt,« mahnte auch Friede, und die Oberheudorfer fanden auch, das Fräulein im Laden sei viel zu unfreundlich. Der mochten sie gar nichts mehr abkaufen. Sie verließen rasch das Geschäft und beschlossen draußen, zu Herrn Schulz zu gehen; sicher war der höflicher als das Fräulein. Herr Schulz hatte nun freilich keinen so prächtigen Laden, sondern nur ein kleines, schmales Budchen, in dem alles durcheinander und übereinander stand. Es herrschte ein richtiges Sammelsurium darin, aber den Oberheudorfern gefiel es doch sehr. Die Buben zogen höflich die Mützen, die Mädel knicksten tief, und Herr Schulz lächelte und zog seinen Mund so breit wie eine Schublade.
»Na, Kinder, was wollt ihr denn?«
»Eine Tasse kaufen in Ihrem Ramschladen,« sagte Heine Peterle und fand das sehr nett und höflich gesagt. Und Annchen Amsee rief voller Bewunderung: »Ach, der Ramschladen ist aber fein!«
»Potzwetter,« schrie Herr Schulz da zornig, »so eine freche Bande, mein Geschäft einen Ramschladen zu nennen! Na wartet nur!« Und hopps sprang Herr Schulz über den Ladentisch und packte Schulzens Jakob, der sich am weitesten vorgedrängt hatte. Er wollte dem gerade einen richtigen Katzenkopf versetzen, als Friede seine Hand erschrocken festhielt und sagte: »Bitte nicht schlagen, Herr Schulz, die haben es nicht böse gemeint.«
»Nä, nä,« schrieen die andern angsterfüllt, »wir haben doch nischt getan!«
»So, mein Geschäft einen Ramschladen nennen, das nennt ihr wohl höflich?« Ein bißchen freundlicher schaute Herr Schulz schon drein, und Friede erzählte geschwind, was das Fräulein gegenüber gesagt hatte. »Na, der werde ich noch meine Meinung sagen,« brummte Herr Schulz und fragte nun gar nicht mehr streng: »Ihr dachtet wohl, ein Ramschladen wäre etwas sehr Nettes?«
Die Kinder nickten, und Annchen Amsee flüsterte: »Hier ist's doch auch so schön!«