»Ja freilich ist's schön bei mir!« Herr Schulz lächelte wieder versöhnt. »Nun sagt mir, was ihr haben wollt.«

Die Kinder wollten viel. Mit Herrn Schulz ließ es sich aber auch gut handeln, der fragte erst, wieviel Geld sie hätten, und dann schnitt er kein verächtliches Gesicht wie das Fräulein gegenüber, sondern holte ganz wundervolle Tassen herbei. Jedes Mädel konnte eine Tasse erstehen und noch ein buntes Zopfband dazu, denn Bänder hatte Herr Schulz auch. Und für die Buben waren Trillerpfeifen und Mundharmonikas da. Heine Peterle erstand sogar eine rosenrote Flöte, die zur allgemeinen Freude wie ein Frosch quakte, obgleich Herr Schulz behauptete, man könnte darauf wie eine Nachtigall flöten. Schulzens Jakob sagte aber: »'n Frosch ist besser als 'ne Nachtigall.«

Die Kinder trennten sich nur schwer von dem freundlichen Herrn Schulz, und sie versprachen ihm ganz fest, das nächste Mal würden sie bestimmt wiederkommen.

Schnipfelbauers Fritz und Schulzens Jakob, die sehr schöne, grelltönende Trillerpfeifen gekauft hatten, verließen den Laden zuletzt. Als sie schon an der Türe standen, sagte Herr Schulz plötzlich halblaut zu ihnen: »Ich würde dem groben Fräulein da drüben einmal etwas pfeifen, wenn ich ein Bube wäre.«

Die beiden sahen sich an. Heisa, das war so ein Spaß nach ihrem Sinn!

»Wir machen's, aber allein,« tuschelte Schnipfelbauers Fritz, »die Mädel haben gleich Angst, und der Friede mag so was auch nicht.«

»Hm, alleine!« Jakob blieb stehen und sah den Kameraden nach. Die bogen just in eine Seitenstraße ein und schwatzten so miteinander, daß sie sich an der Ecke gar nicht umsahen. Einen Augenblick zögerten die Buben noch, schwapps flogen da Annchen Amsees braune Zöpfe um die Ecke. Nun waren die vier verschwunden, die beiden aber liefen auf den Laden zu und spähten erst einmal durch die Glastüre hinein. Sie sahen niemand. Die Verkäuferin stand ganz hinten; dort suchten sich gerade ein paar Damen eine Teekanne aus. Wie die Buben leise zögernd die Türe öffneten, sahen sie gegenüber Herrn Schulz höchst vergnügt vor seinem Ramschladen stehen. Das stärkte ihren Mut, wutsch waren sie im Laden drin und pfiffen dort laut und gellend auf ihren Pfeifen. »Trilililiiii –« schallte es in den Laden hinein, und das Fräulein ließ vor Schreck fast eine Teekanne fallen. Die beiden Damen aber riefen entsetzt: »Das brennt wohl, oder eine Lokomotive ist auf der Straße, o Himmel!«

»Trilililiiii,« pfiffen die Buben weiter, aber da kam schon die Verkäuferin angerannt, und nun hieß es ausreißen. Sie wollten geschwind zur Türe hinaus, doch die ging nicht nach außen, sondern nach innen auf. Die Buben prallten zurück; Schnipfelbauers Fritz stieß an Schulzens Jakob, und der an etwas, das hinter ihm mit einem ganz fürchterlichen Geklirr zusammenstürzte. Das Ladenfräulein schrie laut auf: »Hilfe, Hilfe! Polizei, Polizei!«

Die beiden Missetäter entflohen entsetzt. Sie sahen nicht rechts, nicht links; sie liefen wie die Hasen. Draußen bogen sie statt nach rechts nach links herum, rannten dann in die nächste Querstraße hinein, und als sie jemand anredete: »Na, was rennt ihr denn so?« da sausten sie in ihrer Angst noch schneller weiter.

Um diese frühe Nachmittagsstunde waren wenige Menschen unterwegs in der Stadt, und die beiden Buben kamen ungehindert durch allerlei Straßen und Gassen, bis sie endlich merkten, daß sie gar niemand verfolgte. Da blieben sie stehen und sahen sich um. Ja wo waren sie eigentlich? Die Straße, in der sie standen, war still und einsam; ein paar stattliche Häuser standen darin, die in großen Gärten zu liegen schienen, denn über graue Mauern ragten Bäume hinweg. Die beiden kamen sich schrecklich hilflos und verlassen in der großen Stadt vor, von den Gefährten war nirgends auch nur ein Zipfelchen zu erblicken, und dazu quälte beide noch das böse Gewissen. Das hatte gar so sehr geklirrt in dem Laden, gewiß war sehr viel zerbrochen, und gewiß würde man sie suchen und –. Sie wagten die Folgen ihres Streiches gar nicht auszudenken, nur einmal murmelte Jakob: »Sie sperren uns ein!«