»Wir reißen aus,« flüsterte Schnipfelbauers Fritz und sah sich scheu um. »Weißte was, wir laufen immer voran nach Hause.«

Der Plan leuchtete Schulzens Jakob ein, aber wo lag Oberheudorf?

»Wir fragen,« meinte Fritz mutig und trat wirklich keck auf einen etwas größeren Jungen zu, der gerade vorbeiging. »Weißte, wo Oberheudorf liegt?«

»Auf dem Monde,« sagte der, pfiff sich eins und lief die Straße entlang.

»Frech!« sagten die beiden Oberheudorfer entrüstet, als hätten sie noch nie eine unnütze Antwort gegeben. Sie liefen wieder ein Stück die Straße entlang und fragten dann wieder einen Buben. Der wußte ihnen aber auch keine Antwort zu geben, er riet ihnen: »Geht nur immer der Nase nach.« Damit wären die beiden freilich nie nach Oberheudorf gekommen, denn Jakob mit seiner Himmelfahrtsnase hätte immer bergauf gehen müssen und Schnipfelbauers Fritz links herum; seine Nase war nämlich schief. Den beiden war das Weinen schon näher als das Lachen, sie standen wie ein paar begossene Pudel auf der Straße, und wenn jemand kam, erschraken sie. Sicher holte man sie und sperrte sie ein. Endlich fiel Schnipfelbauers Fritz der Name des letzten Dorfes ein, durch das Friede Hopserling sie gefahren hatte. Vielleicht wußte hier in der Stadt eher jemand, wo das lag. Da sie mit den Stadtbuben schlechte Erfahrungen gemacht hatten, fragten sie ein Mädchen, das aus einem der Häuser kam, und wirklich wußte sie Bescheid.

»Kommt ein paar Schritte mit,« sagte sie, »dann zeige ich euch die Straße, und ihr braucht nur immer geradeaus zu gehen. Seit ihr denn von dort her?«

»Nä, aus Oberheudorf,« bekannte Jakob zögernd.

»Du meine Güte, und ich bin aus Berenbach,« erzählte das Mädchen. »Ich bin die Katerliese und diene bei Sonntags. Aber wie kommt ihr denn hierher, seid ihr allein in der Stadt, und wie heißt ihr denn?«

Die Buben wurden verlegen, sie fürchteten sich, das Mädchen, das zwar sehr freundlich aussah, könnte sie verraten, und scheu sahen sie die Katerliese von der Seite an. Diese sagte jetzt: »Geht hier die Straße hinaus und dann immer gradaus, dann kommt ihr nach Wiesental; dort fragt ihr am besten noch einmal. Aber erst erzählt mir, wie ihr hergekommen seid.«