Das Mädchen konnte lange fragen; kaum wußten die Buben den Weg, da rannten sie auch schon wie besessen davon. »Na, so was!« brummelte das Mädchen. »Ich glaube, sie haben ein schlechtes Gewissen gehabt; sicher haben sie einen dummen Streich gemacht! Den Oberheudorfern kann man so was schon zutrauen. Ich muß die Sache nachher gleich unserem Füchslein erzählen.«
Die andern Kinder hatten inzwischen erst nach einer ziemlichen Weile das Fehlen der beiden Buben bemerkt. Sie rannten eiligst den Weg wieder zurück, aber nirgends waren die beiden zu erblicken. Sogar zu Herrn Schulz in den Laden liefen sie hinein. Herr Schulz wurde etwas verlegen, denn er hatte die beiden wie die wilde Jagd aus dem Laden rennen sehen. Er sagte: »Ach, ihr werdet sie schon finden! Übrigens sind sie nach jener Seite gelaufen!«
Nun liefen die vier die Straße hinab, aber kein Jakob und kein Fritz war zu sehen. Friede fragte ein paar Leute, einen Schutzmann, einen Briefträger, – niemand hatte die Buben gesehen.
»Vielleicht sind sie zurückgelaufen,« sagte Annchen Amsee endlich, und alle vier trabten nach dem Johannesplan. Dort wußte aber auch niemand etwas von den Vermißten. Sogar bei Wunderlichs fragten die Mädel nach, aber Marie, die öffnete, hatte keinen Zipfel von den beiden gesehen.
Professor von Spiegel tröstete: »Sie werden sich schon finden, in Feldburg gehen nicht plötzlich ein paar Buben verloren.« Aber die Mädel brachen in ein so jämmerliches Geheul aus, daß es dem guten alten Herrn himmelangst wurde. Er gab den Kindern den Gärtner mit zur Hilfe. Der ging auf die Polizei, aber auch dort hatte niemand die Vermißten gesehen.
Als Friede Hopserling mit dem Wagen kam, seine Schützlinge abzuholen, schimpfte er gewaltig, als er von dem Verschwinden der beiden hörte. »Haue müssen sie haben, aber ordentliche! Na die sollen meine Peitsche fühlen.«
»Ich dächte, wenn man jemand hauen will, muß man ihn erst haben,« sagte Frau Emma, die Hausverwalterin des Professors.
»Ja schon,« brummte Friede Hopserling und sah besorgt nach seiner Uhr. Er mußte aufbrechen, es wurde zu spät, er wagte aber nicht, ohne die Buben heimzukommen.
»Da kommt mein Mann mit 'nem Schutzmann. Du lieber Himmel, sie haben wohl gar die Buben eingesperrt,« rief die Gärtnerin.